Tesla drückt aufs Tempo

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Model 3 rennt und rennt und rennt

Noch gar nicht gebaut und schon rennt er von einem Superlativ zum nächsten: Tesla Model 3,
neues Einsteiger-Elektroauto für voraussichtlich rund 31.000 Euro von Elon Musk, dem eigenwilligen Elektro-Auto-Pionier aus dem Silicon Valley.

Von Friedhelm Kortmann

Fast 400.000 Vorbestellungen gingen bis Juni ein – für ein Auto, das es nicht gibt und von dem keiner weiß, wie es funktionieren wird. Das scheint bizarr, ist es aber nicht, denn der kleine Tesla profitiert vom guten Ruf des großen Bruders Model S, das seit 2012 die Geschichte der E-Mobilität neu schreibt.

Erst Ende März hatte Tesla Motors das Model 3 vorgestellt und den Produktionsstart für Anfang 2017 angekündigt. Jetzt soll es schneller gehen, die gewaltige Nachfrage drückt auf das Tempo, die für 2017 geplanten 50.000 Einheiten wurden kurzerhand verdoppelt, ein Jahr später sollen es 400.000 statt 200.000 sein – die halbe Million wäre dann voll, bis 2020 soll die Millionengrenze erreicht sein. Zulieferer, die nicht mithalten können, fliegen aus der Kurve, ersatzweise will Musk versuchen, die meisten Komponenten selbst herzustellen. Bei aller Euphorie werden auch kritische Stimmen laut. So warnen Branchenexperten vor einem Produktionskollaps, eine halbe Million Fahrzeuge pro Jahr bräuchten jahrzehntelange Erfahrung. Da für das Model S 3 bisher weder das endgültige Design noch die technischen Daten feststünden, sei eine mangelhafte Produktion wahrscheinlich.

Handauflegen im Handumdrehen: Tesla hat die Zielvorgaben für die Produktion des Model 3 verdoppelt, gestartet wird 2017. Auch das Model S ist ein Stress-Produkt.

Schon bei der Einführung des Model S im Jahr 2012 und des SUV Model X drei Jahre später war es zu Produktionsengpässen gekommen, bis heute gehören Qualitätsprobleme offenbar zum Alltag von derzeit fast 135.00 Tesla-Eignern. Trotzdem ist die Zufriedenheit der Kunden groß, denn Service und Kundenzuwendung liegen auf einem hohen Niveau. Allerdings sorgen die anhaltenden Nachbesserungen für einen erheblichen Kostendruck. Zum Produktionsstart des „Dreiers“ will Tesla deshalb per Kapitalerhöhung zwei Milliarden Dollar zusätzlich auf die hohe Kante legen.

Als konsequent ökologisch outet sich Tesla-Chef Elon Musk. Weil Elektroautos keinem dienen, wenn sie mit Strom aus Kohlekraftwerken gespeist werden und Glieder der Wertschöpfungskette mit „dreckigem“ Strom verseucht sind, will Tesla die Firma SolarCity, Produzent von Solaranlagen für den Hausgebrauch, übernehmen. Die Idee: aus Tesla ein weltweit vertikal integriertes Energieunternehmen generieren. So sollen Teslafahrer mit eigenen Solarzellen auf dem Hausdach den Ladestrom selbst erzeugen, ihn in ihren Powerwalls von Tesla speichern (siehe Special-E 4/2015) und   damit über Nacht den Auto-Akku laden. Kosten der möglichen Übernahme: zwischen 2,6 und 2,8 Milliarden US-Dollar.

Saft und Kraft für zu Hause: Von der Sonne aufs Dach, vom Dach in den Speicher, vom Speicher in den Akku, vom Akku zum Motor, vom Motor auf die Straße – Tesla-Öko-Netzwerk mit Null-Emission.

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