Präsentation: Citroën Ami

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„Knutschkugel“

Das wurde auch mal Zeit: Endlich gibt es wieder ein spannendes Elektromobilitätskonzept. Mit dem Ami präsentiert Citroën eine neue Mobilitätslösung die eigentlich gar kein richtiges Auto ist. In Berlin hatten wir die erste Gelegenheit die neue „Knutschkugel“ zu fahren.

Von Christoph Wisberg

Das Foto zeigt die Preise für Frankreich. Laut Hersteller sollen die deutschen Preise ähnlich ausfallen.

„Für die monatliche Leasing-Rate bekommt Töchterchen oder Sohnemann noch nicht einmal einen seriösen iPhone-Vertrag.“

Die Tatsache das in Deutschland jeder der den Führerschein der Klasse AM besitzt den Citroën Ami fahren darf ist ein kluger Schachzug des Herstellers. Damit dürfen auch Jugendliche ab 15 (NRW, Rheinland-Pfalz, Hessen) bzw. 16 Jahren den Ami fahren und die Eltern müssen sich keine Sorgen machen, dass die Kinder mit dem Roller bzw. Motorrad auf zwei Rädern durch die Gegend fahren. Die Preise dürften ebenfalls beim Kauf überzeugen. In Frankreich ist der Ami bereits ab einer monatlichen Leasing-Rate von 19,99 Euro erhältlich, mit einer Anzahlung von circa 2.600 Euro (Gesamtpreis in Frankreich ab 6.000 Euro inkl. Steuer). Für die monatliche Rate bekommt Töchterchen oder Sohnemann noch nicht einmal einen seriösen iPhone-Vertrag. Laut Citroën sollen die Preise in Deutschland ähnlich ausfallen.
Der Ami kann in Frankreich bereits bestellt werden. In Deutschland soll er ab dem ersten Quartal 2021 im Handel verfügbar sein. Das Fahrzeug kann über ein Online-Tool konfiguriert und bestellt werden. Das genaue Vertriebsmodell in Deutschland wird Citroën aber noch bekanntgeben.

 

„Wer also der Meinung ist das ein Mini schon Go-Cart-Feeling hat, der sollte diesen Franzosen Probe fahren.“

Wer zum ersten Mal im Ami hinter dem Lenkrad Platz nimmt dürfte etwas verwundert sein über die Sitzposition. Man hat das Gefühl als säße man direkt vor der Heckscheibe und über der Hinterachse. Ganz so extrem ist es aber in der Realität dann doch nicht, obwohl man das Gefühl hat den Wagen doch eher über die Hinterachse zu steuern. Die 14-Zoll-Räder und die kompakten Abmessungen (Länge: 2,41 Meter, Höhe: 1,52 Meter) bieten einen Wendekreis von nur 7,20 Meter. Wer also der Meinung ist das ein Mini schon Go-Cart-Feeling hat, der sollte diesen Franzosen Probe fahren. Besonders die Wendigkeit ist einmalig.
Auf unseren Testfahrten in Berlin hat uns die Geschwindigkeitsbegrenzung von 45 km/h nicht gestört. Das lag zum einen an der Tatsache das der Ami beim Ampelstart auf Grund seines 471 kg leichten Eigengewichtes und dem anzugsstarken Elektromotor (Leistung: 6 kW) überzeugt. Zum anderen gibt es in Berlin Mitte mittlerweile gefühlt mehr 30 km/h als 50 km/h Zonen.
Womit wir auch beim Fahrwerk sind welches nämlich genau so „Go-Cart-mäßig“ ist. In Verbindung mit den Hartschalen-Sitzen, die nur mit einer dünnen Schaumstoff–Schicht bezogen sind und so fast keine Polsterung bieten, geht es auf unebener Fahrbahn etwas härter zur Sache. Da der Ami aber für Kurzstrecken konzipiert wurde ist das in Ordnung.
Ebenfalls ungewohnt ist der Blick nach draußen. Auf Grund der Geometrie des Ami ist durch die Seitenfenster, in den meisten Fällen, die obere Ampel nicht zu sehen. Daher hat Citroën in den vorderen, oberen Teil des Daches eine zusätzliche Scheibe eingebaut. Diese erlaubt dem Fahrer einen großzügigen Blick Richtung Himmel. Zusätzlich erzeugt das ein offenes Raumgefühl und sorgt für Helligkeit, was uns besonders gut gefallen hat.

„Die 5,5 kWh Batterie wird innerhalb von drei Stunden an einer herkömmlichen Haushaltssteckdose aufgeladen.“

Auch der Innenraum ist praktisch im Alltag: Clevere Stauräume sowie zahlreiche Individualisierungsmöglichkeiten zeichnen den Ami aus.

Die Franzosen haben den Ami bewusst einfach ausgestattet weil er im Alltag praktisch sein soll: Die 5,5 kWh Batterie wird innerhalb von drei Stunden an einer herkömmlichen Haushaltssteckdose aufgeladen. Vorteil: der Besitzer muss keine zusätzliche Wall Box kaufen und zu Hause installieren. Die Reichweite gibt Citroën mit 75 Kilometern an – bestimmt nach dem World Motorcycle Test Cycle (WMTC).
Den Lichtschalter sucht man vergebens – „Die Scheinwerfer sind permanent an“, erklärt uns Christopher Rux von Citroën Deutschland (Leiter Presse und Öffentlichkeitsarbeit). Wir finden auch ein wenig „Ente“ im Ami wieder. Die unteren Scheiben der geteilten Seitenfenster lassen sich hochklappen – ähnlich wie beim ehemaligen französischen Volkswagen Citroën 2 CV. Die übrigen Bedienungselemente lassen sich schnell aufzählen: Blinker, Heizung, Scheibenwischer mit Sprühmittelfunktion, USB-Stecker – das Leben kann so einfach sein…

Fotos: Christoph Wisberg

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