Spektakuläre E-Scooter für 2016

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Einspur-Glück für Individualisten

Pedelecs boomen immer noch, Motorradhersteller entdecken Volt, Watt, Ampére und Ohm als neuen Antrieb für ihre schnellen Schmalspurrenner – und ambitionierte Mobilitäts-Pioniere erfinden das Rad gewissermaßen neu. Mit einer Mischung aus visionärem Erfindergeist und praktischer Alltags-Vernunft entstehen so erstaunliche Fahrzeuge für individuelle Abfahrer und zahllose Hingucker. Special-E wagte einen tiefen Blick in die einspurige Mobilitäts-Kugel 2016.

Von Friedhelm Kortmann

Yamaha 
Wer über den Tellerrand schaut, sieht weiter. Deshalb haben wir unsere Fühler bis nach Japan ausgestreckt, wo bis Anfang November die Tokyo Motor Show über die Bühne ging. Neben einer Unmenge an Verbrennungs-Motoren gab es dort auch eine kleine, feine Nische mit Elektro-Power. So zeigte Yamaha drei sehr interessante Studien elektrischer Zweiräder, die schon mehr Wirklichkeit als Vision sind.

Mit den Studien PES2 und PED2 wollen die Japaner die Leidenschaft – Passion – für die elektrische Fortbewegung auf zwei Rädern wecken. Version „S“ ist der Straßenfeger, „D“ – Dirt Sport – der Schlammspritzer. Beide Modelle verfügen über einen mittragenden Elektroblock mit bürstenlosem Motor und integrierter Sitzschwinge. Die Straßenversion hat außer dem Big Block einen zusätzlichen Nabenmotor im Vorderrad – All Wheel Drive für Zwei. Der Geländehüpfer tritt an, still und leise durch die Natur zu gleiten, unspektakulär und kraftvoll.
Der Allradler für Stadtmenschen wiegt knappe 130 Kilogramm, der Stoppelhopser für Naturburschen schlappe 100. Die Konzept-Bikes sind leistungsmäßig auf die Klasse der Klein- und Leichtkrafträder abgestimmt.
YPJ-MTB Concept. Bei diesem elektrisch befeuerten Mountainbike soll die geballte Kraft des E-Antriebs nach dem Willen der Ingenieure jederzeit spürbar, aber zu keiner Zeit sichtbar sein. Das könnte wohl klappen, wenn die Serien-Pedelecs genauso dezent daherkommen wie die Konzeptstudie. Das E-MTB soll nicht nur hoch hinaus, sondern auch weit fahren, weshalb es einen kräftigen 250-Watt-Motor an der Tretkurbel hat und einen Lithium-Ionen-Akku mit 400 Watt-stunden. Damit würde es in die Klasse der Pedelecs mit einer Tretunterstützung bis 25 Stundenkilometer passen.
Schon 1994 profilierte sich Yamaha mit dem XPC 26 als echter Pedelec-Pionier, bis der Vertrieb in Europa 2002 eingestellt wurde. Seitdem sorgen Yamaha-Elektromotoren in Pedelecs anderer Hersteller für kräftigen Schub – bleibt abzuwarten, ob und wann die Studie den Weg nach Europa findet; wir wünschen uns: schon bald.


Volta
Aus Figueres in der spanischen Provinz Girona kommen die katalanischen Elektromotorräder BCN von Volta. Die flott gestylten Leichtkrafträder mit echt erwachsener Ausstattung wurden erstmals im November 2011 auf der Mailänder Motorradmesse EICMA vorgestellt. Inzwischen gibt es die leicht verkleideten Spanierinnen in den Varianten „BCN Sport“ und „BCN City“ auch in Deutschland über das Berliner Elektro-Mobilitäts-Unternehmen „Lautlos durch Deutschland“.
Wer sich mit den feurigen Ladies einlässt, bekommt dafür jede Menge Hightech geboten. Der Elektromotor ist schwerpunktgünstig am Schwingendrehpunkt angebracht, den Sekundärantrieb am Hinterrad besorgt ein pflegeleichter Zahnriemen.

Rank, schlank und dynamisch: Die BCN „City“ (links) und „Sport“ strahlen Kraft und Leichtigkeit zugleich aus. Für unter 10.000 Euro bekommt man eine Menge Temperament.

Rank, schlank und dynamisch: Die BCN „City“ (links) und „Sport“ strahlen Kraft und Leichtigkeit zugleich aus. Für unter 10.000 Euro bekommt man eine Menge Temperament.

Der Lithium-Polymer-Akku drückt das Gesamtgewicht auf moderate 135 Kilogramm und ermöglicht Reichweiten von bis zu 70 Kilometern. Per eingebautem Ladegerät lässt sich der Akku an jeder 230-Volt-Standard-Steckdose innerhalb von zwei Stunden aufladen.
Hochgerechnet muss der Akku erst nach rund 140.000 Kilometern gewechselt werden, denn die Katalanen geben 2000 Ladezyklen an; das reicht für jahrelanges entspanntes Fahren. Mit 67 Newtonmetern Drehmoment und 25 Kilowatt Höchstleistung (linear 11  kW) zeigen die BCN-Bienen eine durchaus breite Brust und auch die Höchst-geschwindigkeit von 120 Sachen ist nicht von schlechten Eltern. Den Stopp von 120 auf Null besorgen Scheibenbremsen (285/220 Millimeter) vorne und hinten, die Sitzhöhe von 804 Millimetern macht die katalanischen Elektro-Athletinnen erfreulich handzahm.
In der Tankattrappe befindet sich ein Staufach mit USB-Buchse. Hier kann der Pilot per Smartphone Fahrdaten, Ladezustand, Fahrzyklen und andere Informationen ab-rufen. Die BCN City kostet 9490 Euro, die Sportvariante mit dreistufigem Motor-Mapping für individuelle Leistungsvarianten 9990 Euro.
www.lautlos.com 
www.voltamotorbikes.com 


Zero Motorcycles 
Ins zehnte Jahr rollen die Elektro-Motorräder aus Santa Cruz in Kalifornien. Den Zehner für Zero feiern die E-Mobilitäts-Pioniere mit zwei neuen Modellen, der Supermoto FXS  und der sportlichen DSR. Beide Modelle unterstreichen, dass nicht nur die Akkutechnik große Fortschritte gemacht hat, sondern auch die Designer. Statt klobig-klumpig präsentieren sich die Neuen im Vergleich zu ihren Urahnen mit schlanker Linie und gefällig integrierten Kraftpaketen.

 

Zero FXS Supermoto. Patentierter, thermisch optimierter Permanentmagnetmotor mit  Energierückgewinnung, Drehmoment 95 Newton-meter, maximal 33 Kilowatt, knapp 140 Kilogramm. Gitterrahmen aus Flugzeugaluminium. Null auf 100 in 3,8 Sekunden, Top Speed 132 Kilometer. 10.130 Euro (Version 6.5 mit stärkerem Akku 12.490 Euro).
Zero DSR Max Adventure. „Sixpack-Version“ der bewährten DS mit 50 Kilowatt Leistung, 114 Newtonmetern Drehmoment und einer Beschleunigung von Null auf 100 in 3,9 Sekunden. Top Speed 158 Sachen. 17.840 Euro.
Beide Varianten verfügen über Showa-Federbein, Bosch-ABS, Sekundärantrieb Carbon-Zahnriemen zum Hinterrad. Kosten für Elektrizität pro Kilometer laut Hersteller ein Cent, macht einen Euro pro 100 Kilometer. Keine Schmierstoffe, keine Ölkontrolle, keine dreckigen Finger. Modulares Akkusystem, Laden am Fahrzeug und – mit Zusatzgerät – extern möglich.
Auch das Drumherum ist in eine höhere Liga aufgestiegen: Die neuen Motoren sind sparsamer, leichter und stärker, was die Reich-weite je nach Modell auf über 300 Kilometer in der Stadt steigen lässt (Autobahn 150 Kilometer). Und wenn der Saft doch mal zu schnell durch die Kabel zischt, können die Modelle S, SR, DS und DSR per Charge Tank unterwegs an öffentlichen Level-2-Ladestationen einen Hieb Strom nachfassen. Das geht dreimal schneller als zu Hause, wo das Laden nach wie vor an jeder 230-Volt-Standard-Steckdose möglich ist. Ladezeit je nach Akku und Leistung zwischen drei und zwölf Stunden. Für die schnelle Zwischenladung im Büro oder „auf Besuch bei Freunden“ gibt es ein externes Schnellladegerät, das mit dem Bord-Lader gekoppelt wird.
Die Ladekupplung für öffentliche Ladestationen kostet 2281 Euro, das Schnellladegerät für Büro oder Stippvisite 653 Euro, für den Power Tank werden 2683 Euro fällig. So kommt man mit allen Ladegerät-Optionen (wenn man sie denn will) und Fahrzeug im Falle der DSR schnell auf über 20.000 Euro. Das ist zunächst einmal viel Geld, relativiert sich aber im Alltag durch minimale Unterhalts- und Inspektionskosten. Auf den Akku gewährt Zero fünf Jahre oder, je nach Fahrzeug, 80.000 bis 160.000 Kilometer Garantie.
Händlerverzeichnis: www.zeromotorcycles.com/de/locator


Bultaco
Waren das noch Zeiten, als Bultaco-Boliden durch Sant Adrià de Besòs ballerten! 25 Jahre waren Frontera, Matador, Metralla und Sherpa unterwegs, bis ihnen der Sprit ausging. Seit Mai letzten Jahres sind die Spanier mit neuer Energie zurück auf der Zweiradbühne, und schon bald sollen Rapitàn und Rapitàn Sport die Motorrad-Fans elek-trisieren. Ein weiteres Sahneteil der iberischen E-Bikes, die aus Montmelò nahe der Rennstrecke Barcelona-Catalunya kommen, ist das Modell Brinco. Das Pedelec wirkt wie eine echte Trial-Maschine, ist aber ein ausgefuchstes MTB-Geschoss mit konventioneller Tretkurbel und Elektromotor im Hinterrad, der über drei Fahrstufen verfügt. Upside-down-Gabel mit 180 Millimetern Federweg, 217 Millimeter Hinterraddämpfung per Zentralfederbein, fette Scheibenbremsen und die Overdrive-Technologie mit zwei mal neun Gängen ergeben ein stimmiges Gesamtkonzept, das knappe 40 Kilogramm auf die Waage bringt.

Teilverschalt, voll getarnt: Der Rapitán-Racer von Bultaco versteckt seine Elektroblöcke hinter schnittig-wuchtigen Verkleidungs-Elementen. Das spanische Eigengewächs aus den ehemaligen Derby-Werken bei Barcelona leistet 40 Kilowattstunden und setzt 125 Newtonmeter Drehmoment frei. Reichweite innerorts 200 Kilometer, außerhalb 110. Voraussetzung: V-Max-Drossel bei 145 Sachen. Saftig: bis zu 25 Prozent Energie-Rückgewinnung, Lebendgewicht unter 200 Kilogramm, dreieinhalb Stunden Ladezeit, Wartung alle 40.000 Kilometer. Sollte im letzten Jahr schon auf die Straße, wird jetzt für 2016 erwartet. Gut Ding will Weile haben.

Derzeit wird der Europavertrieb aufgebaut; Spanien, Frankreich und Großbritannien sind ready for race, Deutschland soll schon bald folgen. Nach der Vorstellung im Juli in Madrid war die Start-Edition des „Brinco“ innerhalb weniger Tage ausverkauft – 175 Stück, mehr gab’s zunächst nicht. Das soll sich mit der Homologation von zwei Modellen ändern: Als „Elektromotorrad“ mit einer V-Max von 25 Sachen wird die Brinco L1e-A in die Läden kommen, als zweisitziges Moped mit einer Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h heißt sie L1e-B. Die Wartezeit verkürzen kann man visuell unter
www.bultaco.com


 

Govecs-Prototyp

Govecs-Prototyp

Govecs 
Der Münchner E-Scooter-Spezialist bricht auf zu neuen Ufern. Während Entwicklung und Herstellung von Elektrorollern weiterhin das Kerngeschäft bilden, kooperiert Govecs jetzt mit dem dänischen Energiekonzern Trefor. Erfahrbares Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist das „Tripl“, Prototyp eins dreirädrigen Intercity-E-Lastentransporters. Thomas Grübel, Geschäftsführer der Govecs GmbH, ist optimistisch: „Ich wage sogar zu sagen, dass Tripl in der Transportbranche eine vollwertige Alternative für das Automobil darstellt“.
Höchstgeschwindigkeit 45 km/h, Reichweite bis zu 100 Kilometer, Tragkraft 200 Kilogramm, Ladevolumen 750 Liter, Akku-Ladezeit: 4 bis 8 Stunden, Batterie bis zu 8 kWh. Der Prototyp ist derzeit als „Botschafter alternativer Transportlösungen“ unterwegs, eine Vorserie ist ab 2016 geplant.
www.govecsgroup.com


Elmoto 
Das kleine Unternehmen aus der Heimat des heller denn je leuchtenden Mercedes-Sterns hat die Minis wiederentdeckt und die 50-Kubikzentimeter-Klasse der Leicht- und Kleinkrafträder neu belebt. Die baden-württembergischen Straßenfeger fahren elektrisch und erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 45 Sachen bei einer Reichweite von durchschnittlich 65 Kilometern. Sie sollen nach schwäbischer Definition zwischen Fahrrad und Motorroller positioniert sein und folgerichtig sowohl über den Fahrrad- als auch den Motorradhandel vertrieben werden.

 

ELMOTO HR2 Evo

ELMOTO HR2 Evo

Der E-Flitzer HR2 Evo – der „fahrende Barhocker“ – kann online individuell konfiguriert werden. Für Rahmen, Schwinge, Felgen, Sitzbank und Design-Applikationen gibt es jeweils bis zu 13 frei wählbare Farbvarianten. Gewicht fahrbereit 47 Kilogramm, Zuladung 148 Kilogramm. Bürstenloser Nabenmotor am Hinterrad, 1,7 Kilowatt Leistung (2 kW max.), 48-Volt-Lithium-Ionen-Akku, Ladezeit 6 Stunden,
Turbolader 2 Stunden. Aluminiumrahmen, Parallel-Federbeine hinten, Marzocchi-Doppelbrückengabel mit 170 Millimetern Federweg. Führerschein Klasse M, Einstiegsalter 16 Jahre. Versicherungskennzeichen, steuerfrei. Basispreis 3999 Euro.

ELMOTO TE2

ELMOTO TE2

In grauweißmeliertem Business-Look tritt der Lastesel TE2 an, der mit tiefem Einstieg und Beinschildern gewissermaßen ein Hybrid aus Elektrofahrrad und E-Scooter ist. 45 km/h Topspeed und leichte 53 Kilogramm fahrfertig machen ihn zu einem leichtfüßigen Stadtrenner, der mit 142 Kilogramm Zuladung eine Menge wegstecken kann. Stahlrahmen, Stereofederbeine, 170-er Marzocchi-Doppelbrückengabel. Führerschein Klasse M, Einstiegsalter 16 Jahre. Versicherungskennzeichen, steuerfrei. Kostenpunkt 2999 Euro.
www.elmoto.com


Saroléa Manx 7

Saroléa Manx 7

Saroléa
Belgisches Superbike mit E-Energie: Aus Belgien stammt die Saroléa Manx 7, deren Vorbild SP 7 in diesem und im letzten Jahr beim emissionsfreien TT Zero-Rennen auf der Isle of Man nur knapp an den Podiumsplätzen vorbeirauschte. Die Manx 7 soll es schon bald mit Straßenzulassung zu kaufen geben. Details stehen noch nicht fest. Saroléa produzierte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Ein- und Zweizylinder-Motorräder mit bis zu 600 Kubikzentimetern Hubraum. Bei der Entwicklung der Manx 7 ist Reifenhersteller Bridge-stone mit im Boot, der auch die Besohlung Battlax RS 10 beisteuert.
www.bridgestone.eu


Johammer 
Erfunden hat diesen Elektro-Racer im Sandwich-Design der Österreicher Johann Hammerschmid, der konsequent auf Nachhaltigkeit setzt: „Alle Rohstoffe dieser Erde sind begrenzt. Wenn wir wertvolle Rohstoffe verwenden, müssen die daraus hergestellten Produkte so designt sein, dass eine möglichst lange Nutzungsdauer gegeben ist.“ Höchste Effizienz, maximale Nutzungsdauer und ein „zweites Leben“ der Akkus, beispielsweise als stationäres Speichermodul für Hausstrom aus Photovoltaikanlagen, gehören deshalb zum Gesamtkonzept.

Johammer

Johammer

Angetrieben wird die J1 von einem Synchronmotor nebst einstufigem Getriebe. Als Lebensdauer für den Akku hat Hammerschmid 200.000 Kilometer errechnet. Die 300-Millimeter-Bremsscheiben mit Doppelkolben-Bremszangen packen kräftig zu und dank Rekuperation geht die Lebensdauer der Bremsbeläge weit über das übliche Maß hinaus.
Der Kunde kann wählen zwischen J1.150 und J1.200 (150 oder 200 Kilometer Reichweite). Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 120 begrenzt, den Sprint von Null auf Hundert erledigt die voll verschalte Österreicherin in acht Sekunden. Der Vertrieb für Deutschland ist für 2016 geplant; bis dahin gibt es den Oberhammer direkt in Österreich. Der „kleine Hammer“ kostet 23.000 Euro inklusive österreichische Mehrwertsteuer. Zugelassen wird das E-Motorrad derzeit noch per Einzelabnahme.
www.johammer.com 

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