Praxis-Check: Audi e-tron Sportback 50 quattro

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E-Sports

Mit dem neuen e-tron Sportback 50 quattro hat Audi jetzt die etwas kostengünstigere Alternative zum e-tron Sportback 55 quattro präsentiert. Wir durften den neuen Ingolstädter, als einer der ersten Elektroautos, in unserem neuen Test-Fuhrpark, zum Praxis-Check an der deutschen Nordseeküste begrüßen.

Von Christoph Wisberg

Der Arbeitsauftrag ist schnell formuliert: Drei Wochen den neuen Audi e-tron Sportback 50 quattro fahren – das hört sich erstmal gut an. Da die sportlich gestylten SUV´ s immer noch gut im internationalen Automarkt ankommen, haben auch die Ingolstädter die e-tron Serie nun um eine Sportback-Variante ergänzt – ein sportliches SUV sozusagen.
Der Lounge artige Innenraum empfängt den Fahrer mit exklusiven Materialien. Der Hersteller bietet hier einige verschiedene Ausstattungsmöglichkeiten an: Neben der Basis-Ausführung gibt es beispielsweise die sogenannte Interieur design selection und das S line Interieur. Der Kunde kann neben den Seriensitzen auch Sportsitze, S-Sportsitze oder Indivvidualkontursitze wählen – auf Wunsch mit Belüftung und Massage-Funktion.
Unser Testwagen hatte das Bang & Olufsen Premium Sound System an Board. Die Anlage bietet ein nahezu perfektes Hörerlebnis. Auffällig war auch die einfache, automatische Kopplung mit dem iPhone. Wir mussten eigentlich nichts weiter machen, außer das Gerät kurz zu bestätigen. Das Smartphone wird in diesem Auto induktiv aufgeladen.

 

„Das Gewicht, von immerhin fast 2,5 Tonnen, nehmen wir nicht wirklich wahr.“

Der unauffällige Startvorgang unterscheidet den Audi nicht von anderen Elektroautos: Einsteigen, Startknopf drücken und die gewünschte Fahrstufe einlegen. Doch schon während den ersten Metern macht sich das luftgefederte Fahrwerk dadurch positiv bemerkbar, dass die 20 Zöller sehr geschmeidig über den Asphalt gleiten. Das Gewicht, von immerhin fast 2,5 Tonnen, nehmen wir nicht wirklich wahr. Das bleibt auch so wenn die Fahrbahn uneben wird. Auf Wunsch gibt es größere Räder bis zu 22 Zoll.
Im normalen Modus verhält sich der e-tron in Kurven sehr neutral. Der Schwerpunkt liegt weiter unten als bei anderen SUV’ s. Das macht sich bei schnelleren Kurvenfahrten positiv bemerkbar durch eine geringe Seitenneigung. An dieser Stelle erwartet man eigentlich stärkere Lastwechsel, da man diese bereits durch Autos dieser Größe von anderen Herstellern gewohnt ist. Auch die Lenkung ist gut abgestimmt: Nicht zu weich, nicht zu direkt – goldene Mitte.

„Die 100 km/h erreicht der Stromer in 6,8 Sekunden – was jedes Mal ein beeindruckendes Gefühl ist.“

Audi gibt die elektrische Reichweite, gemäß WLTP, mit bis zu 347 Kilometern an. Dafür sorgt die eingebaute Lithium-Ionen Batterie mit 71 kWh. In der Praxis konnten wir circa 250 Kilometer, bei realistischer Fahrweise, im Alltag erreichen. Dazu gehörten kürzere Fahrten über die Autobahn, Landstraße sowie Cityfahrten, inklusive dem Betrieb der elektronischen Einrichtung, wie z.B. Klima oder Radio. Auch der Wechsel durch die verschiedenen Fahrmodi durfte nicht fehlen.
Bei 190 km/h Höchstgeschwindigkeit ist Schluss. Die 100 km/h Marke erreicht der Stromer in 6,8 Sekunden – was jedes Mal ein beeindruckendes Gefühl ist. Schließlich bewegen wir hier ein ausgewachsenes SUV mit einem Leergewicht von 2.370 kg.
Die beiden Elektro-Motoren leisten zusammen 230 kW / 313 PS mit einem Drehmoment von 540 Nm. An jeder Achse wurde ein sogenannter Asynchron-Elektromotor platziert. Der e-tron wird überwiegend durch das hintere Aggregat angetrieben. Bei Bedarf wird der vordere Motor zugeschaltet: Wenn der Fahrer beispielsweise mehr Leistung fordert als der eine E-Motor leisten kann oder auch vorausschauend bei schneller Kurvenfahrt sowie glatter Fahrbahn. Dann bietet der Allradantrieb beste Traktion.

Der Audi e-tron Sportback 50 quattro im Praxis-Check

 

„Wir haben die Sitzprobe im Fond gemacht.“

Grundsätzlich kann man sagen, dass im Innenraum fünf Personen mit Gepäck reichlich Platz finden. Wegen des Sportback-Hecks wirkt dieser e-tron kürzer – ist er aber nicht. Lediglich das Dach ist ein wenig tiefer als bei der normalen Variante. Der Kofferraum ist im Vergleich etwas kleiner.
Die Sicht nach hinten ist nicht ganz so übersichtlich. Allerdings ist der e-tron mit einem sehr guten Kamerasystem ausgestattet das die eingeschränkte Sicht wieder ausgleicht. Die Sitzverhältnisse im Fond sind großzügig. Hier dürfte jedes Körpermaß ausreichend Platz finden. Die Rücksitzlehnen lassen sich zusätzlich umklappen.

„In der Zubehör-Preisliste sind die virtuellen Außenspiegel mit 1.560 Euro Aufpreis angegeben.“

Bereits im Vorfeld berichtete die Fachpresse ausführlich über die neuen, digitalen Außenspiegel da diese ein echter Hingucker sind. Umso mehr gespannt waren wir das jetzt selbst auszuprobieren. In der Zubehör-Preisliste sind sie mit 1.560 Euro Aufpreis angegeben. Sie sind eines der auffälligsten Extras im Zubehör-Programm. Dementsprechend groß ist hier der „Haben Wollen-Faktor“ – was wir gut verstehen können. In der Praxis funktionierten sie einwandfrei. Allerdings ist ein leichtes Gefühl der Umgewöhnung doch vorhanden. Das lässt sich nur schwer beschreiben, aber der gewohnte Blick in den normalen Spiegel ist einfach nicht mehr da. Wir schauen stattdessen in zwei OLED-Touch-Displays und müssen den Bildern, die hier angezeigt werden, vertrauen. Die meisten Menschen sind von Natur aus misstrauisch und so ertappten auch wir uns beim zusätzlichen Schulterblick, um uns noch einmal davon zu überzeugen, dass die Anzeigen auch alles richtig wieder geben was das Kamerasystem auf die Displays überträgt. Dabei zeigen diese mehr als das menschliche Auge erfassen kann, wie z.B. die automatische Anpassung bei Regen, Schnee oder tief stehender Sonne. Die Ansichten können via Touchscreen individuell angepasst werden: In der Bordsteinsicht wird das Sichtfeld nach unten erweitert und das Bild vergrößert, was besonders beim Einparken hilfreich ist. Es gibt eine Kreuzungssicht, die den toten Winkel beim Abbiegen verringert. In der Autobahnsicht wird der Zoom so angepasst, dass größere Entfernungen besser eingeschätzt werden können. Beeindruckend sind die virtuellen Außenspiegel auf jeden Fall. Wichtige Vorteile, die wir vermissen würden, gegenüber herkömmlichen Rückspiegeln, bieten sie nicht.

„Beim Kauf des Audis e-tron Sportback 50 quattro kann der Käufer 7.500 Euro vom Nettolistenpreis in Abzug bringen.“

Laut Audi entspricht das einem Herstelleranteil in Höhe von 2.500 Euro und 5.000 Euro Bundesanteil (Umweltbonus inklusive Innovationsprämie). Auf Grund seines niedrigeren Preises erfüllt der Audi e-tron Sportback 50 quattro diese Auflagen.

Beim leistungsstärkeren Bruder, der Audi e-tron 55 quattro, konnte diese Prämie bisher nicht in Abzug gebracht werden. Das hat die Audi AG nun geändert: Die Modelle e-tron 55 quattro, e-tron Sportback 55 quattro, e-tron S und der Audi e-tron S Sportback sind nicht für den Umweltbonus berechtigt. Das übernimmt der Hersteller und gewährt hier ebenfalls einen Nachlass in Höhe von 7.500 Euro auf den Nettolistenpreis beim Neukauf eines der vier genannten Modelle.

„Ab Mitte 2021 bietet Audi auch für den e-tron 50 quattro schnelles Laden mit Wechselstrom (AC).“

Die e-tron Modelle bieten ein schnelles Laden mit Gleichstrom (DC). Ab Mitte 2021 gibt es auch für den e-tron 50 quattro schnelles Laden mit Wechselstrom (AC). Dazu muss allerdings ein zweites On-Board-Ladegerät bestellt werden. Je nach Ladesäule wird damit die bisherige Leistung von 11 kW auf bis zu 22kW verdoppelt. Das Mode-3-Kabel, welches zur Serienausstattung aller e-tron Modelle gehört, ist bereits auf 22 kW Ladeleistung umgestellt worden.

In unserem Praxis-Check haben wir den Audi auch an einer üblichen Haushaltssteckdose geladen. Die Batterien waren noch nicht ganz leer, nach circa 14 Stunden war er dann voll aufgeladen. Das ist natürlich nicht empfehlenswert für die Besitzer eines e-tron und auch hier ist eine eigene Wall Box ein Muss. An Schnellladesäulen benötigt der Stromer, unter Ideal-Bedingungen, circa 30 Minuten für 80 Prozent der Akkuleistung.

Fazit

Mit der e-tron Serie sichert sich Hersteller Audi einen Platz in der Oberklasse verfügbarer Elektroautos. Der Grundpreis für den Audi e-tron 50 quattro Sportback liegt bei 71.350 Euro. Der Preis scheint auf den ersten Blick relativ hoch. Dafür bekommt man aber auch viel Auto fürs Geld. Die Verarbeitung ist so hochwertig wie man es von Audi erwartet. Hinzu kommen eine Menge Fahrdynamik und Komfort.

Fotos: Christoph Wisberg / Audi AG

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