Energie: Mit der Kraft der Biomasse

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Wo der Strom herkommt

Die Energiewende drängt konventionelle Stromerzeugung immer weiter zurück. Gewinner sind die regenerativen Energien aus Wind, Wasser, Sonne und Biomasse. Special-E stellt nach den Wind- und Wasser-Werken der letzten Ausgaben in diesem Heft die Energie-gewinnung aus Biomasse vor. Alles Bio oder was?

Von Friedhelm Kortmann

Was sich zunächst „gut und natürlich“ anhört, ist in Wirklichkeit eine zweischneidige Angelegenheit: Biomasse entsteht einerseits aus der Nutzung landwirtschaftlicher Abfallstoffe, zu denen Gülle und Stallmist ebenso zählen wie Bioabfälle, Holzreste, Klärschlämme und Deponiegase. Andererseits wird Biomasse auch aus landwirtschaftlich produzierten Energie-pflanzen wie Mais und Weizen erzeugt. So werden nicht nur lebenswichtige Rohstoffe „verfeuert“, sondern riesige Ackerflächen blockiert, die damit für die Gewinnung von Lebensmittel-Grundstoffen nicht mehr zur Verfügung stehen. Aufgrund der hohen wirtschaftlichen Effizienz kann so durch einseitigen, massenhaften Anbau das gesamte Ökosystem gefährdet werden. Energie aus Biomasse hat also nicht nur mit Chemie zu tun, sondern auch mit Ethik.Dennoch lassen sich die Vorteile der Bio-Energie nicht von der Hand weisen. Zum Beispiel Kohlendioxid: Es wird bei der Energieerzeugung nicht mehr freigesetzt, als die Pflanzen vorher aufgenommen haben. Ihre Vielseitigkeit in flüssiger, fester oder gasförmiger Form macht sie außerdem bei der Strom- und Wärmeerzeugung flexibel einsetzbar, sie kann als Treibstoff verwendet werden und ist unabhängig von wechselnder Intensität von Sonne und Wind.

Wie fossile Brennstoffe kann auch die Biomasse in konventionellen Kondensationskraftwerken verheizt werden, wo der Überdruck des siedenden Wassers eine Dampfturbine antreibt, die Strom erzeugt. Auf diesem Wege werden etwa 35 Prozent der primären Energie umgewandelt, der Rest der Energie kann als Abwärme genutzt und ins Fernwärmenetz eingespeist werden. Diese Kraft-Wärme-Kopplung erhöht den Wirkungsgrad der Bio-Energie auf über 80 Prozent.

Biomasse-Heizkraftwerk

Biomasse-Heizkraftwerk Kehl: Kraft-Wärme-Kopplung, befeuert mit Altholz. Elektro-Leistung 8,6 Megawatt, Wärme 48 MW.

Weltweit beträgt der Energieanteil aus Biomasse rund zehn Prozent, zweieinhalb Milliarden Menschen unterhalb der Armutsgrenze sind auf Energie aus Brennholz, Holzkohle oder Dung angewiesen. In Deutschland entfielen bei der Stromproduktion im vorletzten Jahr über 25 Prozent auf alle regenerativen Energien, 2014 waren es schon fast 28 Prozent, Tendenz steigend. Nach Berechnungen des Umweltbundesamtes hatte Strom aus Biomasse in diesem Zeitraum einen Anteil von 31 Prozent an den erneuerbaren Energien. Seit dem Inkrafttreten des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) vor 15 Jahren hat sich die Bio-Energie damit nahezu verzehnfacht und ist stärker gewachsen als alle anderen regenerativen Energieträger. Sie deckte allein im Jahr 2013 acht Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland. Wie die Agentur für Erneuerbare Energien ermittelt hat, sank dadurch der CO2-Ausstoß um 27 Millionen Tonnen.
Als Top-Stromer blieb die Windenergie mit 56 Terrawattstunden (TWh) auch im letzten Jahr Spitzenreiter bei den Erneuerbaren, aus Biomasse wurden 49 TWh gewonnen. Hierbei stieg der Anteil aus biogenem Abfall um über zwölf Prozent, der aus Biogas um über fünf Prozent. Die Photovoltaik erreichte knapp 35 TWh. Wasserkraft erzielte eine Leistung von 20,5 TWh.

Biogasanlage Neurath

Biogasanlage Neurath: 716 Kilowatt elektrische Leistung rund um die Uhr versorgt 1600 umliegende Haushalte plus Wärme, Heizung und Klima für das benachbarte Braunkohlekraftwerk. Betrieb mit täglich 38 Tonnen nachwachsenden Rohstoffen.

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