Praxis-Check: Coboc Skye City Belt

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Nun muss der schöne Heidelberger ran

Als Coboc das Skye City im Frühjahr vorstellte, kündigten wir bereits an, den urbanen Neuzugang der Skye-Familie in unserem Presse- und Testfuhrpark genauer unter die Lupe zu nehmen. Nun war es so weit: Mehrere Wochen lang musste sich die Riemenvariante dort bewähren, wo aus elegant formulierten Produktversprechen entweder überzeugende Mobilität wird – oder eben nur ein sehr hübsches Fahrrad für den Prospekt.

Von Christoph Wisberg

Als wir das neue Stadtmodell erstmals vorgestellt haben, klang die Aufgabenverteilung innerhalb der Modellfamilie zunächst erfreulich klar: Hier die tourentauglicheren Skye-Modelle für längere Wege, Ausfahrten und gelegentliche Abstecher über den Asphaltrand hinaus. Dort der urbane Neuzugang für Alltag, Stadtverkehr und jene kleinen Umwege, die meistens damit beginnen, dass man an der eigentlich richtigen Abbiegung einfach noch nicht abbiegt.
Nun stand er tatsächlich bei uns im Presse- und Testfuhrpark: der schöne Heidelberger. Genauer gesagt das Skye City Belt mit Diamantrahmen, Riemenantrieb und Nabenschaltung. Wer den bequemeren Durchstieg bevorzugt, bekommt das Modell alternativ auch als Tiefeinsteiger. Dazu hatte der Hersteller unserem Testbike auch gleich den optionalen Bosch-Zusatzakku mitgegeben. Man weiß ja nie, wann aus einer kurzen Runde plötzlich eine etwas längere wird.

Weil der Weg zur Arbeit auch würdevoll beginnen darf
Coboc bleibt jener Gestaltung treu, für die die Heidelberger bekannt sind: klare Linien, sauber integrierte Komponenten und eine zurückhaltende Eleganz, die nicht an jeder Ampel um Aufmerksamkeit bittet, sie aber trotzdem bekommt. Wohltuend ist dabei auch, dass die Marke ihre Räder regelmäßig in Farben kleidet, die sich angenehm vom üblichen Schwarz-Grau-Einerlei vieler Alltags-E-Bikes abheben. Die Skye-Reihe gibt es aktuell in den Metallic-Tönen Ocean, Slate und Ivory.
Unser Testbike im Farbton Ocean und mit Diamantrahmen sieht jedenfalls wie ein ausgesprochen schönes Stadtrad aus. Wer einen bequemeren Einstieg bevorzugt, bekommt die Riemenvariante alternativ auch als Tiefeinsteiger. Und schön aussehen darf ein solches Rad durchaus, solange es sich zugleich auf das Wesentliche versteht: zuverlässig losfahren, leicht zu bewegen sein, schlechte Straßen höflich ignorieren und seine Fahrerin oder seinen Fahrer am Abend vielleicht noch zu einem kleinen Umweg überreden.


Denn manchmal muss ein Fahrrad auch Treppen können
Während die Skye-Tour-Varianten mit Federgabel und entsprechender Ausstattung eher für längere Ausfahrten und wechselnde Untergründe gedacht sind, setzt die City-Ausführung auf eine leichtere, direktere Auslegung mit Starrgabel.
Die von uns gefahrene Belt-Version wiegt laut Hersteller 18,2 Kilogramm. Das Chain-Modell beginnt bei 17,4 Kilogramm und ist damit das leichteste Rad der Reihe. Zahlen dieser Art werden in Presseunterlagen gern mit jener Ernsthaftigkeit präsentiert, die normalerweise nur Reichweitenangaben und italienischen Espressomaschinen vorbehalten ist. Im Alltag ergibt das geringe Gewicht allerdings durchaus Sinn.
Denn ein Fahrrad fährt in der Stadt nicht ausschließlich. Es wird aus Kellern geholt, durch Hofeinfahrten rangiert, zwischen Fahrradständer, Laternenmast und fremdem Lastenrad hindurchmanövriert oder gelegentlich über eine Stufe gehoben. In solchen Momenten ist Leichtigkeit keine Marketingpoesie, sondern schlicht der Unterschied zwischen „nehme ich gern“ und „nehme ich nur, wenn es wirklich sein muss“.

Direkte Stadtverbindung
Auf der Straße setzt sich dieser Eindruck fort. Das Rad fährt sich agil und präzise. Die Starrgabel verleiht ihm ein direktes Handling, das im urbanen Verkehr ausgesprochen gut funktioniert. Richtungswechsel gehen leicht von der Hand, enge Passagen verlieren ihren Schrecken, und auch beim schnellen Anfahren an der Ampel geht das Bike gut los.
Das ist in der Stadt nicht unwichtig. Schließlich besteht urbaner Radverkehr selten nur aus einer geraden, frisch asphaltierten Strecke mit freundlichem Rückenwind. Der Heidelberger fährt nicht nervös, verlangt keine ständige Aufmerksamkeit und vermittelt trotzdem jederzeit ausreichend Kontrolle.

Die breiteren Reifen stehen ihm ausgezeichnet
Besonders positiv fielen uns während der Testwochen die Schwalbe G-One RS in der Dimension 55-622 auf. Mit ihren 55 Millimetern Breite geben sie dem schlanken Stadtrad nicht nur optisch etwas mehr Präsenz, sondern sorgen vor allem auf schlechtem Asphalt für spürbar mehr Ruhe.
Kanaldeckel, Pflasterfugen und jene Bordsteinkanten, die im Stadtverkehr grundsätzlich unverhofft auftauchen, verlieren dadurch merklich an Nachdruck. Zum Geländegänger wird das Skye City Belt deshalb natürlich nicht: Es bleibt ein elegantes Rad für Asphalt und urbane Wege. Doch genau dort zeigt sich, wie gut ihm die etwas großzügigere Bereifung bekommt.
Denn Komfort beginnt in der Stadt nicht erst mit einer Federgabel. Manchmal genügt schon das angenehme Gefühl, dass nicht jede Unebenheit persönlich gemeint ist.

Der Bosch-Antrieb: Unterstützung mit Manieren
Angetrieben wird das Testbike von der Bosch Performance Line SX in Verbindung mit dem integrierten 400-Wh-Akku. Auch hier passt das Konzept zum Charakter des Fahrrads. Der Motor liefert eine kräftige Unterstützung, ohne daraus ein Spektakel zu machen.
Gerade beim häufigen Anfahren im Stadtverkehr gefällt das. Ein kurzer Tritt, und das Rad setzt sich zügig in Bewegung. Nicht ruppig, nicht übertrieben, sondern genau so, wie man sich Unterstützung im Alltag wünscht: präsent, wenn sie gebraucht wird, und ansonsten angenehm unauffällig.Nach einigen Tagen denkt man kaum noch darüber nach, wann und wie die Unterstützung einsetzt. Sie ist einfach da.

Riemen statt Beziehungsarbeit
Unser Testmodell kombiniert einen Gates-CDX-Riemen mit einer Shimano-Alfine-Nabenschaltung, die acht Gänge bereitstellt. Diese Kombination passt ausgesprochen gut zu einem Rad, das möglichst stilvoll und unkompliziert durch den urbanen Alltag kommen möchte.
Der Riemen läuft leise und sauber und verlangt deutlich weniger Zuwendung als eine klassische Kette. Das ist keineswegs nur eine technische Randnotiz. Wer in normaler Kleidung aufs Rad steigt, möchte schließlich ungern feststellen, dass das rechte Hosenbein unterwegs eine allzu enge Bekanntschaft mit dem Antrieb gemacht hat.
Auch die Nabenschaltung fügt sich gut in den ruhigen Gesamtcharakter des Rades ein. Sie verrichtet ihre Arbeit unaufgeregt und passt damit ziemlich genau zu einem Fahrrad, das nicht bei jeder Gelegenheit beweisen möchte, wie technisch bedeutend es ist.
Wer den günstigeren Einstieg sucht, bekommt die City-Variante auch als Chain-Modell mit neunfacher Shimano-Cues-Kettenschaltung. Unser Testbike mit Riemenantrieb wirkt allerdings so stimmig, dass man nach einigen Wochen durchaus versteht, warum Coboc diese Ausführung anbietet.

Zusatzakku: Für den verlängerten Heimweg
An unserem Testbike befand sich außerdem der optionale Bosch PowerMore 250 mit 250 Wh. Der Range Extender wird einfach in den am Rahmen montierten Halter eingerastet und anschließend per Stecker mit dem System verbunden.
Für kurze Erledigungen oder die spontane Runde durch die Stadt dürfte der zusätzliche Energiespeicher in vielen Fällen verzichtbar sein. Wer jedoch ordentlich Kilometer zurücklegt, regelmäßig größere Distanzen fährt oder gern noch eine zusätzliche Schleife einbaut, wird den erweiterten Aktionsradius schnell zu schätzen wissen.
Natürlich nimmt der Zusatzakku dem ansonsten sehr reduzierten Rad optisch ein wenig von seiner puristischen Eleganz. Ein zusätzlicher Akku lässt sich am Rahmen nun einmal schwer als beiläufiges Schmuckdetail verkaufen.

Das Versprechen aus der Vorstellung
Als wir das Stadtmodell erstmals angekündigt haben, war die Rollenverteilung klar: Coboc wollte ein leichtes, elegantes E-Bike auf die Räder stellen, das den urbanen Alltag ebenso souverän beherrscht wie spontane Ausflüge über die gewohnte Route hinaus.
Nach mehreren Wochen mit dem Skye City Belt lässt sich sagen: Das Konzept geht auf.
Mit 5.299 Euro für die Riemenvariante bewegt es sich ohne Frage in einem Bereich, in dem eine Kaufentscheidung nicht beim beiläufigen Blick in die Portokasse fällt. Die Chain-Version beginnt bei 4.799 Euro. Dafür bekommt man ein Rad, das sich in der Stadt ausgesprochen stimmig anfühlt.
Damals hatten wir geschrieben, dass sich noch zeigen müsse, wie souverän sich der neue Heidelberger dort gibt, wo es zählt: im echten Alltag zwischen Ampelstopp, Bordsteinkante und ungeplantem Umweg.
Nun wissen wir es.

Der schöne Heidelberger kann nicht nur Prospekt. Er kann auch Montagmorgen.

Weitere Informationen:
www.coboc.biz

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Fotos: Hersteller

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