Die eine für alles. Und alles für draußen.
Es gibt diese Tage, da weiß man morgens nicht, ob man später noch auf dem Bike sitzt, über einen Grat stapft oder sich fragt, warum man eigentlich bei Nieselregen zum Trailrunning aufgebrochen ist. Genau für solche Tage hat der kanadische Hersteller 7mesh seine Guardian Apex Linie gebaut. Und wir haben sie genau dort getragen, wo sie angeblich alles kann: auf dem Mountainbike und beim Trailrun – mit ehrlicher Begeisterung und leicht skeptischem Blick aufs Preisschild.
Von Christoph Wisberg
Multisport statt Kleiderschrank-Tetris
Die Guardian Apex Jacket (550 EUR | 599 CHF) und die Guardian Apex Pant (400 EUR | 439 CHF) sind keine Schnäppchen. Sie sind eher die Kategorie „Investition“. Aber immerhin eine mit Argumenten. Die Idee dahinter ist bestechend einfach: Warum für Ski, Snowboard, Bike und Wandern jeweils eigene Hardshells kaufen, wenn eine alles kann? Die Guardian Apex will genau das sein – eine alpintaugliche Hardshell für Menschen, die ihre Sportarten nicht säuberlich voneinander trennen, sondern gern kombinieren. Konzipiert wurde die Kollektion in Squamish, British Columbia. Wer dort einmal unterwegs war, weiß: Wetter ist hier keine Randnotiz, sondern immer Hauptthema.
Material: Hightech ohne schlechtes Gewissen
Herzstück ist die PFAS-freie GORE-TEX ePE Membran, kombiniert mit recyceltem High-Tenacity-Nylon (40D) und einem C-Knit Backer. Klingt technisch, fühlt sich aber erstaunlich untechnisch an. Die Jacke wiegt in der Herrenvariante gerade einmal 310 Gramm, die Hose 250 Gramm. Das ist in etwa so viel wie eine größere Packung Studentenfutter. Nur deutlich wetterfester.
Und wasserdicht? Absolut. Mehrfach getestet – bei Dauerregen auf dem Bike und bei feuchtem Herbstwald auf dem Trail. Kein Durchsuppen, kein klammes Gefühl. Wer darunter gute Thermounterwäsche trägt, bleibt selbst bei kühleren Temperaturen erstaunlich komfortabel unterwegs. Wir haben aktuell leichte, aber sehr warme Baselayer kombiniert – dazu wasserdichte Schuhe mit Gore-Tex-Membran. Das Ergebnis: trocken von außen, warm von innen. So soll es sein.
Schnitt: Bewegungsfreiheit statt Michelin-Männchen
Was sofort auffällt, ist die 360-Grad-Schnittführung. Kein Ziehen an den Schultern, kein Hochrutschen beim Vorbeugen auf dem Bike. Die Jacke macht jede Bewegung mit, ohne dabei nach Zeltplane auszusehen. Auch beim Trailrunning blieb sie angenehm unauffällig.
Die helmtaugliche CrossPull-Kapuze sitzt stabil, lässt sich mit einer Hand verstellen und verschwindet bei Bedarf per Snap-Fixierung. Unterarm-Belüftungen sorgen für schnelle Wärmeabgabe. Der Zwei-Wege-Frontreißverschluss erlaubt zusätzliche Luftzufuhr, ohne dass man sich komplett entpacken muss. Handschuhfreundliche Abschlüsse und gurtkompatible Taschen runden das Ganze ab.
Die Hose steht der Jacke in nichts nach: ergonomischer Schnitt, abriebfeste Verstärkungen an Gesäß und Beinabschluss, integrierter Gürtel, seitliche Beinreißverschlüsse mit drei Verstellmöglichkeiten – auch mit Stiefeln gut nutzbar. Man merkt, dass hier Menschen am Werk waren, die selbst draußen unterwegs sind.
Leicht, robust, ernst gemeint
Ultraleicht bedeutet oft: vorsichtig anfassen. Die Guardian Apex spielt da eine andere Melodie. Trotz des geringen Gewichts wirkt das Material robust und langlebig. bluesign®- sowie Oeko-Tex® Standard 100-Zertifizierungen unterstreichen den nachhaltigen Anspruch. Das ist kein Marketing-Gimmick, sondern ein klarer Fingerzeig in Richtung Zukunft.
7mesh-CEO Tyler Jordan spricht von einem neuen Standard für ultraleichte Regenbekleidung. Solche Sätze liest man häufig. Hier allerdings hat man das Gefühl, dass sie nicht nur aus der PR-Abteilung stammen.


Fazit: Teuer? Ja. Überzeugend? Ebenfalls ja.
550 Euro für eine Jacke und 400 Euro für eine Hose sind kein Impulskauf. Aber wenn man bedenkt, dass man damit Ski-, Bike-, Wander- und Trail-Ausrüstung in einem abdeckt, relativiert sich der Preis. Vorausgesetzt, man nutzt die Vielseitigkeit. Die Guardian Apex Produkte sind keine modische Spielerei. Sie glänzen nicht laut. Und bleiben einfach dicht. Auf den ersten Blick wirken sie wie asketische Outdoor-Athleten, die keinen Wert auf Smalltalk legen. Und dann stellt man fest, dass sie nicht nur jedes Wetter aushalten, sondern auch noch erstaunlich vielseitig sind. Produkte, die bleiben. Und zwar trocken.






