Im Praxis-Check: Raleigh ONE

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Der Brite ist wieder da

Raleigh? Da war doch was. Nottingham, Rennradgeschichte, britischer Fahrradadel. Genau. Nur steht das neue ONE nicht im Museum, sondern ab sofort auf der Straße. Es ist ein E-Bike für Menschen, die in der Stadt nicht mehr über ihr Fahrrad nachdenken wollen. Sondern einfach fahren.

Von Christoph Wisberg

Nach langer Zeit hat uns die Accell Group, zu der die Marke Raleigh inzwischen gehört, wieder ein Testbike für unseren Presse-Testfuhrpark zur Verfügung gestellt. Ausgiebig gefahren sind wir das neue ONE mit Diamant-Rahmen in Off White Glossy: schlank, aufgeräumt und mit jener Mischung aus Reduktion und Technik, die ein modernes City-Bike heute offenbar braucht – Aluminiumrahmen, Gates-Riemenantrieb, Mivice M070 Hecknabenmotor, App-Anbindung, GPS-Tracking, Alarmfunktion und integrierte Beleuchtung.
Die Grundidee erinnert in Teilen an VanMoof: ein cleanes Urban-Bike mit viel integrierter Technik, App-Anbindung, Diebstahlschutz und einem Design, das nach moderner Mobilität aussieht. Ein Unterschied zeigt sich allerdings schon beim Preis: Das aktuelle VanMoof S6 liegt bei 3.298 Euro und damit rund 600 Euro über dem Raleigh ONE, das mit 2.699 Euro in der Preisliste steht. Das ONE interpretiert diese Smart-Bike-Idee etwas bodenständiger – mit britischer Markengeschichte, der Accell Group im Hintergrund und einem Servicegedanken, der im Alltag mindestens so wichtig ist wie jede smarte Funktion.

 

Weniger Bike-Posing, mehr City-Life
Der Gates-Riemenantrieb läuft sauber und leise, die 56 Millimeter breiten Innova-Reifen auf 27,5-Zoll-Laufrädern bringen spürbar Ruhe ins Fahrverhalten, und der Akku ist entnehmbar. Das harmoniert besonders gut mit kurzen und mittleren Strecken: Arbeitsweg, Einkauf, Bahnhof, Café oder der kleine Umweg durch die Stadt. Niemand braucht für den Weg zum Bäcker mehr E-Bike.
Der Mivice M070 Hecknabenmotor liefert 40 Nm Drehmoment. Auf ebenen Strecken schiebt er angenehm und ausreichend kräftig an. Der Drehmomentsensor sorgt dafür, dass die Unterstützung nicht stumpf einsetzt, sondern sich natürlich an die eigene Tretleistung anpasst. Genau hier spielt auch der Singlespeed-Antrieb seine Stärken aus: kein Schalten, einfach treten und fahren.
Natürlich hat diese Reduktion ihre Grenzen. Wer regelmäßig steile Anstiege fährt, schwere Taschen transportiert oder sportlich variieren möchte, wird sich früher oder später eine Gangschaltung wünschen. Das ONE ist eben keine Bergziege, sondern ein urbaner Cruiser. Es wurde für flaches Terrain, tägliche Wege und alle entwickelt, die ein Fahrrad suchen, das den Alltag einfacher macht.
Bei der Reichweite zeigt sich das ONE ebenfalls als ehrliches Alltagsrad. Wir sind das Modell überwiegend auf der höchsten Unterstützungsstufe gefahren und kamen dabei auf knapp 50 Kilometer. Der Hersteller gibt an, dass im Eco-Modus bis zu 80 Kilometer möglich sind. Nach unseren Erfahrungen klingt das durchaus realistisch.
Auch beim Komfort bleibt das Rad seiner Linie treu. Die breiten Innova-Reifen wirken wie kleine Stoßdämpfer für Kopfsteinpflaster, Bordsteinkanten und schlechte Radwege. Die hydraulischen Tektro HD-T3020 Scheibenbremsen mit 160-Millimeter-Bremsscheiben vorne und hinten sorgen jederzeit für eine gut kontrollierbare Verzögerung.

Smart, aber nicht nervig
Sehr gelungen ist die Beleuchtung. Das Frontlicht sitzt sauber im Cockpitbereich, das Rücklicht verschwindet elegant in der Rahmenpartie. Beides fügt sich harmonisch in das aufgeräumte Erscheinungsbild ein. Der automatische Lichtmodus unterscheidet zwischen Tagfahrlicht und Nachtlicht.
Auffällig ist auch, was fehlt: ein klassisches Display. Wer eine große Kommandozentrale am Lenker erwartet, wird sie nicht finden. Stattdessen setzt Raleigh konsequent auf die Smartphone-Anbindung und eine möglichst reduzierte Optik. Das kann man mögen oder nicht. Wir finden: Für ein Stadtrad ist dieser Ansatz stimmig. Wer Informationen benötigt, nutzt sein Smartphone. Die passende Aufnahme für eine Handyhalterung ist bereits vorgesehen.

Über die Raleigh-App stehen Fahrdaten, Akkustand, Standortanzeige, GPS-Tracking und Diebstahlalarm zur Verfügung. Je nach Membership-Modell lassen sich weitere Funktionen freischalten, darunter intelligente Wartung, erweiterter Support, Touch & Go sowie zusätzliche Sicherheitsfunktionen. Die kostenlose Base-Version deckt bereits die wichtigsten Funktionen ab. Core kostet laut Raleigh 7,99 Euro monatlich beziehungsweise 96 Euro jährlich und erweitert den Funktionsumfang unter anderem um Diebstahlwarnungen, Standortfunktionen, Smart Maintenance, etc. Icon kostet 14,99 Euro monatlich beziehungsweise 149 Euro jährlich bei jährlicher Zahlung und beinhaltet zusätzlich eine Versicherung über Hepster, Touch & Go sowie weitere Sicherheitsfunktionen.

 

Was bleibt
Das ONE überzeugt vor allem durch seine klare Philosophie. Es konzentriert sich konsequent auf das, was im Alltag wirklich zählt: wartungsarmer Antrieb, breite Reifen, zuverlässige Bremsen, durchdachte Lichttechnik, digitale Sicherheitsfunktionen und ein Design, das modern wirkt, ohne sich in Spielereien zu verlieren. Angenehm dabei: Das ONE bleibt auch ohne App ein Fahrrad. Diese Selbstverständlichkeit muss man im Jahr 2026 leider ausdrücklich loben.
Natürlich ist diese Ausrichtung nicht für jeden gemacht. Der Diamant-Rahmen wird als Onesize-Lösung für Fahrerinnen und Fahrer zwischen etwa 1,65 und 1,95 Meter Körpergröße angeboten. Das kann hervorragend passen, sollte aber unbedingt probegefahren werden. Auch der Singlespeed-Antrieb fühlt sich vor allem im flachen Gelände zuhause. Wer regelmäßig steile Anstiege bewältigt oder viel Gepäck transportiert, wird eine Gangschaltung vermissen.
Ein serienmäßiger Gepäckträger wäre für viele Alltagsnutzer ebenfalls wünschenswert. Front Carrier und Front Basket bietet Raleigh immerhin als Zubehör an.
Das ONE ist kein E-Bike für Alpenpässe. Es ist ein Stadtrad. Und zwar ein ziemlich gutes. Oder anders gesagt: Der Brite ist wieder da. Er trägt heute keine Tweedjacke mehr, sondern GPS. Und fährt damit erstaunlich gut durch die City.

raleighbicycles.com

Bilder: Hersteller


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