Vorne einsteigen
Ein Cargo-Bike für zwei Kinder, den Wochenendeinkauf und einen Hund, der plötzlich beschlossen hat, keinen Meter mehr zu laufen: Das Babboe Go M möchte Familien den Alltag erleichtern. Mit drei Rädern, Yamaha-Mittelmotor, stufenloser Enviolo-Schaltung und einer abschließbaren Tür in der Transportbox tritt das niederländische Familienrad zum Praxis-Check bei Special-E.de an.
Von Christoph Wisberg
Die Marke startet mit ihrem neuen Modell nicht unbelastet in ein neues Kapitel. Babboe gehört seit 2018 vollständig zur Accell Group. Nach dem Verkaufsstopp und den Rückrufmaßnahmen des Jahres 2024 erklärte der Konzern, den Lastenradspezialisten umfassender in seine Test- und Qualitätsprogramme integriert und die Sicherheitsprozesse überarbeitet zu haben. Ob der angekündigte Neustart auch bei Verarbeitung, Fahrverhalten und Alltagstauglichkeit auf der Straße angekommen ist, sollte unser Fahrbericht zeigen.

Familienabteil mit Vordereingang
Das auffälligste Merkmal des Testfahrzeugs ist seine geschwungene Holzbox. Sie bietet laut Hersteller Platz für zwei Kinder und einen Hund und darf mit maximal 100 Kilogramm belastet werden.
Zur Ausstattung gehören zwei Dreipunkt-Sicherheitsgurte, eine herausnehmbare rutschfeste Bodenmatte und eine Zubehörschiene. An dieser lassen sich unter anderem eine Trennleiste sowie weitere Erweiterungen für den Familienalltag befestigen.
Besonders praktisch ist die verriegelbare Fronttür. Kinder und Tiere können dadurch weitgehend selbstständig ein- und aussteigen. Auch unsere Beagle-Dame Daisy gehörte während des Tests zur regelmäßigen Besatzung und zeigte sich mit ihrem neuen Logenplatz ausgesprochen zufrieden. Auf die etwa fingerdicke, rutschfeste Matte legten wir zusätzlich ihr gewohntes Hundekissen. So konnte sie während der Fahrt bequem sitzen, die Aussicht genießen oder sich hinlegen.
Im unteren Bereich der Box befinden sich links und rechts fest verschweißte Haltebügel. Dort konnten wir ihre kurz eingestellte Leine befestigen, damit sie nicht spontan beschließt, bereits vor dem Hundeplatz auszusteigen. Die Leine sollte dabei an einem geeigneten Hundegeschirr befestigt und so eingestellt werden, dass genügend Bewegungsfreiheit bleibt, der Hund aber nicht über den Rand gelangen kann.
Für Daisy funktionierte die Lösung überzeugend. Sie hatte ausreichend Platz, sicheren Halt und freie Sicht nach draußen. Damit wurde das dreirädrige Familienmobil für uns auch zum komfortablen Hundetaxi.

Ein bisschen Amsterdam
Auch optisch geht das Modell einen eigenen Weg. Die geschwungene Holzbox, der schwarze beziehungsweise neue dunkelgrau-matte Rahmen, der klassisch geformte Lenker sowie die beigefarbenen Griffe und der farblich passende Sattel ergeben ein stimmiges und stylisches Gesamtbild. Persönlich gefällt uns dieser klassische Auftritt besser als manches betont moderne Cargo-Bike-Design. Natürlich bleibt das Geschmackssache.
Die Holzaufbauten und großen Transportboxen erinnern uns an Amsterdam in den 1970er- und 1980er-Jahren. Dort begegneten uns solche Räder lange bevor sie Cargo-Bikes genannt wurden – und selbstverständlich noch ohne Elektromotor.
Die Niederländer waren schon damals nicht nur eine Fahrradnation, sondern auch ausgesprochen pragmatisch veranlagt. Was transportiert werden musste, kam aufs Rad: Kinder, Einkäufe, Werkzeug oder notfalls der halbe Haushalt.
Das neue Familienmodell greift diese Tradition auf – heute allerdings mit Yamaha-Unterstützung, hydraulischen Scheibenbremsen und einer Tür für den Hund.

Drei Räder, eine eigene Fahrphysik
Das Fahrverhalten verlangt zunächst etwas Übung. Wer bisher nur klassische Fahrräder oder zweirädrige Cargo-Bikes gefahren ist, muss sich an die Konstruktion mit zwei Rädern vorne und einem Hinterrad gewöhnen.
Besonders in Kurven wirkt das Dreirad kopflastig. Die breite Vorderachse lenkt zunächst weniger entschlossen ein, als man es von einem klassischen Fahrrad erwartet. In engeren Kurven muss der Fahrer deshalb bewusst und kräftig am Lenker arbeiten. Dabei hilft es, den Oberkörper nach vorne zu verlagern. Mit diesem Körpereinsatz lässt sich die Vorderachse deutlich leichter in die gewünschte Richtung bewegen.
Nach einigen Fahrten entwickelt sich ein gutes Gefühl für die besondere Konstruktion. Dann lässt sich das Fahrzeug kontrolliert bewegen, solange Kurven mit angepasstem Tempo und ohne hektische Lenkbewegungen gefahren werden. Ungeübten Fahrerinnen und Fahrern empfehlen wir deshalb eine ausführliche Probefahrt auf freier Fläche, bevor Kinder oder Hund an Bord gehen.
Eine klassische Federung besitzt das Familienrad nicht. Die beiden 20-Zoll-Vorderräder und das 26-Zoll-Hinterrad sind starr mit dem Rahmen verbunden. Unebenheiten, Schlaglöcher und Bordsteinkanten kommen deshalb vergleichsweise direkt beim Fahrer und in der Box an. Auf schlechteren Wegen ist ein angepasstes Tempo gefragt. Zusätzlichen Komfort könnte eine nachträglich montierte gefederte Sattelstütze bringen.
Für mehr Ruhe an der breiten Vorderachse sorgen Lenkungsdämpfer. Sie reduzieren abrupte Lenkbewegungen, stabilisieren den Geradeauslauf und mildern Einflüsse von Fahrbahnunebenheiten auf die Lenkung. Eine Komfortfederung ersetzen sie allerdings nicht.
Auf ebener Asphaltstrecke zeigt sich der Dreiradler von seiner entspannten Seite. Der Geradeauslauf ist stabil, und wir konnten über längere Strecken problemlos mit rund 20 km/h fahren. Dann rollt das Fahrzeug ruhig und souverän.
Leise Kraft aus der Mitte
Für den Antrieb kombiniert der Hersteller einen Yamaha-Mittelmotor mit einem maximalen Drehmoment von 70 Newtonmetern und eine stufenlose Enviolo-Nabenschaltung. Diese Kombination sind wir bereits in zahlreichen anderen E-Bikes gefahren – und auch hier wirkt sie angenehm harmonisch. Der Motor unterstützt kraftvoll und gut dosierbar. Seine 70 Newtonmeter reichen aus, um das schwere Cargo-Bike auch an Steigungen überzeugend zu unterstützen. Während unseres Tests vermittelte der Yamaha-Antrieb nie den Eindruck, mit dem Gewicht des Dreirads überfordert zu sein. Besonders aufgefallen ist uns erneut, wie leise das Aggregat arbeitet. Selbst unter Last sind kaum Antriebsgeräusche zu hören. Die elektrische Unterstützung bleibt akustisch unauffällig im Hintergrund.
Die Enviolo-Schaltung wird intuitiv über einen Drehgriff bedient. Statt einzelne Gänge einzulegen, stellt man stufenlos den gewünschten Pedalwiderstand ein. Das funktioniert unkompliziert und passt hervorragend zu einem Transportfahrrad, bei dem eine ruhige und gleichmäßige Kraftentfaltung wichtiger ist als sportliche Gangwechsel.
Der 500-Wh-Akku sitzt auf dem Boden der Holzbox unter dem kleinen Sitzbrett. Zum Laden lässt er sich unkompliziert entnehmen. Praktisch ist der vordere Tragegriff, mit dem sich der Energiespeicher sicher greifen und bequem herausheben lässt. Gesichert wird er mit einem Schloss, das sich mit demselben Schlüssel bedienen lässt wie das montierte Felgenschloss. Das spart einen zusätzlichen Schlüssel am Bund.
Kleine Helfer, große Wirkung
Zu den meistgenutzten Funktionen gehörte die Schiebehilfe. Sie wird direkt über eine Taste am Display aktiviert und erleichtert das Rangieren spürbar. Bei einem Fahrzeug dieser Größe und Gewichtsklasse ist das eine echte Alltagshilfe. Beim Herausmanövrieren aus der Garage, beim Wenden auf engem Raum oder auf leicht ansteigendem Untergrund muss das schwere Dreirad nicht allein mit Muskelkraft bewegt werden. Einen Rückwärtsgang besitzt das Modell allerdings nicht. Wer auf engem Raum zurücksetzen muss, bewegt es weiterhin aus eigener Kraft.
Praktisch ist auch die integrierte Feststellbremse. Am linken Bremshebel sitzt ein kleiner Schalter, mit dem sich die Bremse arretieren lässt. Auf abschüssigem oder unebenem Untergrund verhindert sie, dass sich das Cargo-Bike selbstständig in Bewegung setzt. Diese Funktion haben wir im Alltag häufig genutzt: beim Beladen, beim Ein- und Aussteigen oder wenn Daisy noch kurz überlegte, ob sie überhaupt mitfahren möchte.
Sicher verzögert, breit ausgeleuchtet
Vorne und hinten setzt der Hersteller auf hydraulische Scheibenbremsen. Im Test ließen sie sich auch bei kräftigerer Verzögerung gut kontrollieren und fein dosieren.
Vorne rechts und links an der Transportbox sind zwei höhenverstellbare AXA-LED-Scheinwerfer montiert. Bei einem dreirädrigen Transportfahrrad dieser Breite ist die doppelte Beleuchtung sinnvoll, weil sie nicht nur den Weg ausleuchtet, sondern auch die äußeren Abmessungen besser erkennbar macht. Die Lichtausbeute geht in Ordnung. Der Bereich vor der Holzbox wird breit und gleichmäßig ausgeleuchtet, sodass sich das Bike auch auf dunkleren Straßen und Wegen sicher bewegen lässt. Das Rücklicht sorgt zusätzlich für gute Sichtbarkeit nach hinten.
Der Alltag entscheidet
Mit einem Preis von 5.149 Euro gehört das Babboe Go M unter den elektrischen dreirädrigen Familien-Lastenrädern eher zum günstigeren Teil des Marktes. Trotzdem bleibt es eine größere Anschaffung. Dafür kann es im Familienalltag zahlreiche Autofahrten ersetzen – vom Schulweg bis zum Einkauf.
Überzeugt haben uns vor allem die großzügige Holzbox, die praktische Fronttür und der harmonische, ausgesprochen leise Antrieb aus Yamaha-Mittelmotor und Enviolo-Schaltung. Viele kleine Lösungen zeigen zudem, dass die Entwickler den Alltag ihrer Zielgruppe verstanden haben. Die Verarbeitung ist top.
Gewöhnungsbedürftig bleibt die besondere Fahrphysik. Die breite Vorderachse verlangt in engen Kurven einen bewussten und kräftigen Lenkeinsatz, und auf schlechten Wegen macht sich die fehlende Federung bemerkbar.
Wer sich darauf einlässt und sich vor dem Kauf ausreichend Zeit für eine Probefahrt nimmt, erhält einen eigenständigen, praktischen und stilvollen Familienhelfer. Und einen ziemlich guten Logenplatz für den Hund noch dazu.
www.babboe.de
Fotos: Hersteller

