Special-E.de VIEW: Special-E.de VIEW: Bitte umsteigen. Aber tanken wird auch billiger.

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Special-E.de VIEW: Bitte umsteigen. Aber tanken wird auch billiger.

Deutschland fördert wieder den Kauf von Elektroautos. Gleichzeitig macht der Staat Benzin und Diesel billiger. Beides lässt sich begründen. Zusammen ergibt es allerdings eine etwas eigentümliche Botschaft an alle, die gerade überlegen, welches Auto sie als Nächstes kaufen sollen.

Special-E.de VIEW von Christoph Wisberg

Eigentlich ist die Richtung klar. Deutschland möchte mehr Elektroautos auf die Straße bringen. Wer sich für einen neuen Stromer entscheidet, kann deshalb wieder staatliche Unterstützung bekommen. Bei reinen Elektroautos beginnt die Förderung bei 3.000 Euro, abhängig von Einkommen und Kindern sind bis zu 6.000 Euro möglich. Die Botschaft dahinter ist nicht besonders schwer zu verstehen: Leute, steigt um. Seit dem 1. Oktober gibt es allerdings noch eine zweite Botschaft. Benzin und Diesel werden durch den Tankrabatt günstiger. Also vielleicht doch noch ein bisschen weiterfahren.
Man muss daraus keinen großen politischen Widerspruch konstruieren. Beide Maßnahmen verfolgen unterschiedliche Ziele. Die Förderung von Elektroautos soll den Wechsel zu einer anderen Antriebstechnologie unterstützen. Der Tankrabatt soll Menschen und Unternehmen angesichts hoher Kraftstoffpreise kurzfristig entlasten. Nur sitzen am Ende beide Maßnahmen im selben Bundeshaushalt. Und beim Autofahrer kommen sie gleichzeitig an.

DER STAAT HILFT BEIDEN
Das macht die Sache interessant. Jahrelang gehörte es zu den beliebtesten Argumenten gegen das Elektroauto, dass es ohne staatliche Förderung kaum konkurrenzfähig sei. Kaufprämien, Steuervorteile, Wallboxförderung – irgendwann müsse sich die Elektromobilität schließlich selbst tragen, hieß es. Nun wird wieder gefördert. Diesmal allerdings auf beiden Seiten.
Wer ein Elektroauto kauft, bekommt unter bestimmten Voraussetzungen Geld vom Staat. Wer seinen Verbrenner weiterfährt, profitiert von günstigeren Kraftstoffpreisen. Man könnte sagen: Bei der Wahl des Antriebs lässt der Staat derzeit niemanden ganz allein.
Für Menschen, die auf ihr Auto angewiesen sind, ist die Entlastung an der Tankstelle natürlich willkommen. Gerade Pendler oder Unternehmen können sich nicht mal eben ein neues Fahrzeug kaufen, nur weil der Ölpreis steigt. Ein Tankrabatt kann deshalb in einer außergewöhnlichen Situation sinnvoll sein. Die spannendere Frage ist, welches Signal langfristig davon ausgeht.

WAS SOLL DAS NÄCHSTE AUTO SEIN?
Während der Tankrabatt den bestehenden Fahrzeugbestand betrifft, soll die E-Auto-Förderung eine Entscheidung für die Zukunft beeinflussen. Und genau dort treffen beide Welten aufeinander. Wer heute Geld für einen Neuwagen ausgibt, überlegt schließlich nicht nur, welche Marke es werden soll. Er entscheidet auch, womit dieses Auto in den kommenden Jahren betrieben wird.
Beim Elektroauto gibt der Staat Geld zum Kauf dazu. Beim Verbrenner greift er ein, wenn dessen Kraftstoff politisch zu teuer wird. Das kann kurzfristig funktionieren. Als langfristige Orientierung ist es weniger eindeutig. Denn Benzin und Diesel bleiben Produkte eines internationalen Marktes. Kriege, Krisen und Fördermengen beeinflussen den Ölpreis. Der nächste kräftige Preissprung ist deshalb keine völlig abwegige Vorstellung.

AUCH STROMER HABEN IHRE BAUSTELLEN
Nun wäre es ziemlich bequem, daraus den Schluss zu ziehen, jeder müsse morgen ein Elektroauto kaufen. So einfach ist es leider nicht. Wer zu Hause oder am Arbeitsplatz laden kann, hat andere Voraussetzungen als ein Laternenparker. Öffentliche Ladetarife können teuer und unnötig kompliziert sein. Bezahlbare kleine Elektroautos sind noch immer nicht gerade im Überfluss vorhanden. Und wer einen älteren, bezahlten Verbrenner besitzt, der zuverlässig funktioniert, muss ihn nicht morgen austauschen.
Interessant wird es beim nächsten Neuwagen. Dann sollte zumindest klar sein, dass ein niedriger Benzinpreis keine zugesicherte Fahrzeugeigenschaft ist. Wer sich für einen Verbrenner entscheidet, entscheidet sich auch für das Preisrisiko seines Kraftstoffs. Genau deshalb wäre es problematisch, wenn aus dem aktuellen Tankrabatt eine Erwartung entsteht: Wird Benzin teuer genug, wird der Staat es schon richten.

ZWEI FÖRDERUNGEN, ZWEI RICHTUNGEN
Vielleicht liegt darin die eigentliche Kuriosität der aktuellen Situation. Deutschland gibt Geld aus, damit Menschen auf Elektromobilität umsteigen. Gleichzeitig gibt Deutschland Geld aus, damit die Alternative dazu günstiger weiterbetrieben werden kann. Beides hat seine Begründung. Nur eine klare Richtung sieht anders aus. Wer eine Mobilitätswende möchte, muss Menschen nicht zum Elektroauto zwingen. Er muss dafür sorgen, dass die Alternative wirtschaftlich und praktisch überzeugt. Dazu gehören bezahlbare Fahrzeuge, vernünftige Strompreise und eine Ladeinfrastruktur, über deren Tarife man nicht erst promovieren muss. Dann braucht es irgendwann vielleicht weder eine Kaufprämie für das Elektroauto noch einen Rabatt auf den Liter Super. Und der Staat könnte sich aus einer Aufgabe zurückziehen, die auf Dauer ohnehin ziemlich teuer werden dürfte: Uns zu erklären, womit wir fahren sollen – und anschließend bei beiden Möglichkeiten einen Teil der Rechnung zu übernehmen.

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