Köln dreht den Gashahn wieder auf
Vom 19. bis 21. Februar 2027 bringt die INTERMOT Industrie, Handel und Motorradfans zusammen. Special-E.de begleitet die Vorbereitungen und berichtet über Neuheiten, Elektromobilität und die wichtigsten Impulse der Zweiradbranche.
Von Christoph Wisberg
Eine Motorradmesse im Februar kommt zu einem Zeitpunkt, an dem viele Maschinen noch in der Garage stehen und die ersten größeren Touren vorerst nur geplant werden. Genau darin liegt jedoch der Reiz: Die INTERMOT holt die kommende Saison in die Messehallen, noch bevor sie auf der Straße richtig begonnen hat.
Diesen Moment wollen Koelnmesse und der Industrie-Verband Motorrad Deutschland nutzen. Vom 19. bis 21. Februar 2027 soll die Domstadt zum Treffpunkt für Unternehmen, Handel, Szene und Nachwuchs werden. Statt auf wärmere Tage zu warten, wird der Saisonstart kurzerhand nach drinnen verlegt.

Anschauen war gestern
Das neue Konzept setzt noch stärker auf Bewegung und unmittelbares Erleben. Im Mittelpunkt steht ein rund 500 Meter langer Indoor-Testparcours, auf dem die Modelle der Saison gefahren werden können.
Ein speziell vorbereiteter Bodenbelag soll auch innerhalb der Halle ausreichend Grip bieten. Nach Angaben der Veranstalter sind täglich mehr als 1.000 Probefahrten möglich. Schutzkleidung wie Helme, Jacken und Handschuhe wird vor Ort bereitgestellt.
Damit müssen Besucher nicht nur über Sitzhöhe, Handling oder Ansprechverhalten sprechen. Sie können selbst feststellen, ob ein Fahrzeug zu ihnen passt.
Direkt am Fahrbereich entsteht der PLAYGROUND. Aktionen, Vorführungen und Stuntshows sorgen dort für zusätzlichen Puls.
Fernweh ohne Abflug
Mit Adventure Travel rückt die Reise auf zwei Rädern in den Mittelpunkt. Gezeigt werden Adventure-Bikes, Gepäcklösungen, Bekleidung, Zubehör und touristische Angebote.
Eine Bühne innerhalb des Themenbereichs bietet Platz für Reiseberichte, Produktvorstellungen und praktische Hinweise. Rundherum präsentieren sich Anbieter, die das Unterwegssein komfortabler, sicherer oder zumindest besser organisiert machen möchten.
So kann es passieren, dass man im Februar zwischen Aluminiumkoffern und grobstolligen Reifen steht und plötzlich über eine Tour nach Skandinavien, in die Alpen oder noch weiter nachdenkt.
Hundert Jahre Nordschleife
Auch historische Maschinen erhalten einen großen Auftritt. Eine umfangreiche Old- und Youngtimer-Ausstellung erinnert an Epochen, in denen Assistenzsysteme noch ein Fremdwort waren. Unter dem Motto „100 Jahre Nürburgring-Nordschleife“ werden Rennmotorräder aus verschiedenen Jahrzehnten präsentiert. Die traditionsreiche Strecke feiert 2027 ihr hundertjähriges Bestehen. Daran schließt der Bereich Köln Racing an. MotoGP, Motocross, Rallye Dakar und weitere Rennserien schlagen die Brücke von historischen Wettbewerbsmaschinen zum modernen Spitzensport.
So begegnen sich Konstruktionen, bei denen Mut zu den wichtigsten technischen Eigenschaften gehörte, und aktuelle Rennfahrzeuge, die während eines Wochenendes mehr Daten erfassen als früher eine komplette Entwicklungsabteilung.

Fortschritt braucht keinen Hubraum
Der Innovation Walk widmet sich dem technischen Wandel der motorisierten Zweiradwelt. Dazu gehören effizientere Verbrennungsmotoren ebenso wie elektrische und hybride Antriebe. Hinzu kommen Assistenzsysteme, Komfortkupplungen, Automatikgetriebe, neue Materialien sowie Fortschritte bei Schutzbekleidung und Helmen. Moderne Technik zeigt sich dabei nicht immer durch große Displays oder auffällige Bauteile. Häufig steckt sie in Sensoren, Werkstoffen oder Funktionen, die erst dann auffallen, wenn man sie nicht mehr missen möchte.
Fortschritt bemisst sich längst nicht mehr ausschließlich an der Leistung. Effizienz, Bedienbarkeit, Sicherheit und Ressourcenschonung sind ebenso wichtig geworden.

Strom sucht noch Käufer
Bei den Neuzulassungen von Motorrädern und Rollern geben Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor weiterhin klar den Ton an. Strombetriebene Modelle bleiben gemessen am Gesamtmarkt eine vergleichsweise kleine Größe. Dennoch kommt Bewegung in das Angebot: Viele etablierte Marken führen inzwischen mindestens einen E-Roller oder ein entsprechendes Motorrad im Portfolio, andere bereiten neue Konzepte vor.
Besonders interessant ist das Geschehen abseits der großen Namen. Immer mehr kleinere, teilweise inhabergeführte Unternehmen und Start-ups stellen eigenständige Elektromotorräder vor. Sie nutzen den vergleichsweise überschaubaren Aufbau des Antriebs, um neue Fahrzeugideen, ungewöhnliche Designs und alternative Nutzungskonzepte auf die Räder zu stellen.
Wo beim Verbrennungsmotor jahrzehntelange Erfahrung in Motorenentwicklung, Abgasreinigung, Getriebe- und Kühltechnik erforderlich ist, kommt ein elektrischer Antriebsstrang grundsätzlich mit weniger mechanischen Komponenten aus. Einfach wird der Weg zum marktreifen Produkt dadurch allerdings nicht. Batterieentwicklung, Software, Homologation, Produktionsqualität, Ersatzteilversorgung und ein verlässliches Servicenetz bleiben hohe Hürden.
Genau hier liegt derzeit die Spannung: An Ideen und jungen Anbietern mangelt es nicht, wohl aber vielerorts noch an entsprechenden Verkaufszahlen. Nicht jedes vielversprechende Konzept wird deshalb dauerhaft bestehen. Umso neugieriger sind wir, welche etablierten Marken und bislang weniger bekannten Newcomer ihre Modelle auf der INTERMOT präsentieren werden.

Zwei Räder für die Stadt
Die Urban-Mobility-Zone überträgt diese Themen in den Alltag. Roller, leichte Motorräder und Fahrzeuge mit E-Antrieb benötigen weniger Verkehrs- und Parkraum als ein Pkw. Gerade in dicht besiedelten Städten gewinnt dieser Vorteil an Bedeutung. Schließlich muss ein Verkehrsmittel, das überwiegend eine einzelne Person transportiert, nicht zwangsläufig annähernd zwei Tonnen wiegen und die Grundfläche eines kleinen Gartenhauses beanspruchen. Damit wird eine Frage aufgegriffen, die über Freizeit und Wochenendausflug hinausgeht: Welche Rolle können motorisierte Zweiräder künftig im städtischen Verkehr übernehmen?
Der Nachwuchs greift zum Werkzeug
Mit #motorradazubi by IVM richtet sich der Blick auf angehende Zweiradmechatroniker. Auszubildende treten unter anderem beim Reifenwechsel auf Zeit gegeneinander an.Jugendliche, die sich für das Berufsbild interessieren, können sich bei Vertretern der Agentur für Arbeit, der Handwerkskammern, von Fachschulen und aus dem Handel informieren.
Das Tätigkeitsfeld hat sich in den vergangenen Jahren erheblich verändert. Neben klassischer Mechanik gehören heute Elektronik, Diagnosesysteme, vernetzte Komponenten und alternative Antriebe zum Werkstattalltag. Der Schraubenschlüssel bleibt wichtig, bekommt aber zunehmend Gesellschaft. Kinder und Jugendliche bis einschließlich 16 Jahre erhalten freien Eintritt. Damit richtet sich das Angebot auch an jene, die noch keinen Führerschein besitzen, bei der Auswahl ihres späteren Motorrads aber längst eine bemerkenswerte Entschlossenheit entwickelt haben.
Die ersten Marken stehen bereit
Zu den bereits angekündigten Fahrzeugmarken zählen unter anderem BMW Motorrad, Honda, Horex, Royal Enfield, Yamaha und Zero Motorcycles.
Auch Anbieter aus den Bereichen Reifen, Schmierstoffe, Bekleidung und Zubehör haben ihre Teilnahme signalisiert. Damit zeichnet sich ein breites Spektrum ab, das vom Fahrzeug über die Ausrüstung bis zum technischen Service reicht. Eine Messe dieser Größenordnung lebt nicht allein von Quadratmetern, Bühnen und Programmpunkten. Sie benötigt Unternehmen, die Neuheiten mitbringen, Händler, die Orientierung suchen, und Besucher, die wissen möchten, wohin sich der Markt bewegt.
Bewährte Messe, neues Kapitel
Die INTERMOT muss sich nicht erst als Treffpunkt der Motorradbranche erfinden. Seit vielen Jahren bringt sie Industrie, Handel und Publikum zusammen und gehört zu den etablierten Veranstaltungen der internationalen Zweiradszene. Mit dem Termin im Februar und dem erweiterten Erlebnisangebot schlägt sie nun ein neues Kapitel auf. Testparcours, Rennsport, Reisewelten, Nachwuchsförderung und technische Innovationen sollen die bewährte Plattform weiterentwickeln und näher an das tatsächliche Erleben des Motorradfahrens heranführen.
Für Special-E.de wird besonders interessant sein, wie sichtbar sich alternative Antriebe, neue Mobilitätskonzepte und junge Marken präsentieren. Denn während die großen Namen längst gesetzt sind, könnten gerade einige der bislang weniger bekannten Aussteller für die spannendsten Überraschungen sorgen.









