Präsentation: Opel Astra Sports Tourer Electric

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Vollelektrisch, Made in Germany

Split ist einer dieser Orte, an denen selbst der morgendliche Hotelkaffee nach Postkarte schmeckt. Unten glitzert die Adria, oben brennt die Sonne auf die Kalkhügel, und dazwischen steht ein Auto, das in der automobilen Hackordnung lange als unerquicklich vernünftig galt: der Kombi. Nur dass unser Testwagen hier keinen Diesel mehr nageln lässt, sondern Strom zieht. Opel hat nach Kroatien geladen, zur ersten Testfahrt mit dem neuen Astra Sports Tourer Electric. Und der tritt an mit 58-kWh-Batterie, leuchtendem Blitz in der Nase und jener Art deutscher Entschlossenheit, die früher nach Hubraum und heute nach Reichweite klingt.

Von Christoph Wisberg

 

Man muss das erst einmal würdigen: Der elektrische Kombi ist kein Auto für Poser. Er ist das Gegenteil. Er ist die automobil gewordene Antwort auf die Frage, wie man Kind und Koffer unter einen Hut bekommt. Genau hier setzt der neue Astra Sports Tourer Electric an. Er will zeigen, dass E-Mobilität auch dann funktioniert, wenn das Leben nicht aus Designmöbeln, Cappuccino und Ladekartenromantik besteht. Und man darf das in Zeiten globaler Gleichmacherei ruhig dazusagen: Der Astra Sports Tourer ist ein Opel im klassischen Sinn, in Rüsselsheim entworfen, entwickelt und gebaut.

Vorn strahlt der Blitz, hinten lauert die Vernunft
Optisch hat Opel dem Astra die Stirn geschärft. Vorn sitzt der beleuchtete Opel-Blitz prominent im weiterentwickelten Vizor, flankiert vom nun ebenfalls illuminierten Opel-Kompass. Das klingt zunächst nach Spielerei aus der Marketingabteilung, sieht in der Realität, beziehungsweise im Rückspiegel, aber stimmig aus. Dazu kommen neue Lackierungen wie Kontur-Weiß oder Klover-Grün sowie neue Felgendesigns mit Namen wie „Kadett“, „Pentagon“ oder „Rekord“. Der Astra Sports Tourer Electric sieht nicht aus wie ein rollendes Zukunftsmanifest, sondern wie ein sehr gegenwärtiger Kombi, der seine Aufgaben kennt. Interessanter ist ohnehin, dass der Neue trotz aller Elektrifizierung ein Astra geblieben ist. Also kein fahrendes Tablet mit Türgriffen, sondern ein Auto. Eines mit klaren Linien, einer sportlich-eleganten Seitenansicht und einem Heck, das nicht so tut, als sei Laderaum etwas Peinliches.

Hier darf man noch fahren, auch ohne Informatikstudium
Drinnen geht es ähnlich weiter. Opel hat das Cockpit gestrafft, die Bedienoberflächen beruhigt und den Innenraum sichtbar auf das Wesentliche fokussiert. Das ist eine gute Nachricht für alle, die ihr Auto fahren und nicht erst ein Bedienseminar besuchen wollen. Zwei 10-Zoll-Displays bilden die digitale Bühne, dazu gibt es Over-the-Air-Updates, ChatGPT-Funktionen und auf Wunsch ein Head-up-Display, das die wichtigsten Informationen direkt ins Sichtfeld projiziert. Immerhin bleibt Opel seiner Linie treu und lässt für wichtige Funktionen physische Tasten an Bord.
Die serienmäßigen Intelli-Sitze kommen mit einer ergonomischen Vertiefung in der Sitzfläche, die den Druck auf das Steißbein mindern soll. Wer mehr will, bekommt optional vielfach einstellbare, AGR-zertifizierte Intelli-Sitze mit ReNewKnit-Bezug, Sitzheizung, Massage-, Lendenwirbel- und Memory-Funktion. Wie viel so etwas auf langen Strecken tatsächlich wert ist, zeigte sich schon auf unserer Winter-Roadstory von Norderney nach Kopenhagen: Nach rund 1.500 Kilometern im tiefsten Winter im Opel Grandland Electric AWD Ultimate wussten wir diese Form von Sitzkultur sehr zu schätzen.
Dazu kommt, dass der Innenraum nicht bloß moderner, sondern auch vernünftiger geworden ist. Recycelte Stoffe, veganes Kunstleder am Lenkrad, neue Dekore und jene Anchor-grauen Oberflächen in der Mittelkonsole, die so klingen, als seien sie im Designmeeting entstanden, tatsächlich aber den angenehmen Nebeneffekt haben, Reflexionen zu mindern.

 

Der Strom kommt leise, die Reichweitenangst bitte hinten einsteigen
Der Astra Sports Tourer Electric fährt mit einem 115 kW starken Elektromotor vor, also 156 PS, und liefert 270 Newtonmeter Drehmoment. Das genügt, um den Kombi in 9,5 Sekunden auf Tempo 100 zu bringen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 170 km/h. Das ist keine Beschleunigungsorgie, aber auch kein Grund zur Klage. Entscheidender ist die Batterie. Die wächst auf 58 kWh und soll dem Astra Sports Tourer Electric bis zu 445 Kilometer Reichweite nach WLTP ermöglichen. Geladen wird an der 100-kW-Schnellladesäule in rund 32 Minuten von 20 auf 80 Prozent. Auch das ist kein Weltrekord, aber ein vernünftiger Wert für einen vollelektrischen Kombi in dieser Preisklasse. Zudem ist erstmals V2L an Bord, also Vehicle to Load. Das Auto kann damit externe Geräte mit Strom versorgen, etwa E-Bikes oder anderes Reisegerät. Und dann ist da noch das Licht. Die Rüsselsheimer bringen erstmals das Intelli-Lux HD in den Astra, mit mehr als 50.000 Pixeln. Die adaptive, blendfreie Lichttechnik soll die Fahrbahn besonders präzise ausleuchten und andere Verkehrsteilnehmer zugleich besser aussparen.

Der Astra fährt, als hätte er nichts zu beweisen
Auf den Adria-Straßen zeigt der Astra Sports Tourer Electric eine angenehme Form von Zurückhaltung. Der Elektromotor schiebt den Kombi souverän an. Gerade auf den ständig wechselnden Passagen zwischen 40, 50 und 90 km/h passt das gut: Der Opel fährt gelassen, leise und mit jener unaufgeregten Souveränität, die man auf Reisen schnell mehr schätzt als jede Sprint-Eitelkeit. Auch das Fahrwerk macht seine Sache ordentlich. Selbst auf stellenweise holprigem Asphalt bleibt der 1.765 Kilogramm schwere Sports Tourer gefasst, ohne nachzuschwingen oder die Unebenheiten mit pädagogischem Eifer in den Innenraum weiterzureichen. Die von Opel genannten 170 km/h blieben unter diesen Bedingungen freilich ein theoretischer Wert, was zwischen Tempolimits, Ortschaften und Adria-Ausblicken kaum als Mangel durchgeht.

 

Ein Kombi will nicht verführen, sondern den Alltag meistern
Praktisch bleibt der Sports Tourer ohnehin. Das Kofferraumvolumen liegt bei 466 bis 1.634 Litern, die Rücksitzlehnen lassen sich im Verhältnis 40:20:40 umklappen. Damit ist der Astra Sports Tourer Electric genau das, was ein Kombi sein soll: ein Auto für Menschen, die nicht jeden Gegenstand des Lebens als Zumutung empfinden. Koffer, Kisten, Kinderwagen, Kabeltrommel, Wochenendgepäck, Surfausrüstung oder die ganze Wirklichkeit eines Familienalltags: Das alles passt hier hinein.
Interessant ist außerdem, wie breit Opel das Astra-Programm inzwischen aufstellt. Neben dem vollelektrischen Modell gibt es den Astra weiter als Plug-in-Hybrid, Hybrid mit 48-Volt-Technologie und als Diesel. Der Astra Electric startet bei 37.990 Euro, der Astra Sports Tourer Electric bei 39.490 Euro. Der Astra Hybrid markiert den Einstieg in die Baureihe ab 32.990 Euro.
Bleibt die Frage, was dieser neue Astra Sports Tourer Electric am Ende sein will. Die Antwort fällt erfreulich bodenständig aus: kein Heilsbringer, kein Showcar für die Instagram-Community. Sondern ein elektrischer Kombi, der den Alltag ernst nimmt. Genau das ist seine Stärke.

Weitere Infos: www.opel.de

Fotos: Dani Heyne

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