Praxis-Check: EVERCROSS EV10S Max ABE

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Mehr Strecke fürs Geld

Großer Akku, gefedertes Fahrwerk und ein bodenständiger Preis: Der EV10S Max ABE möchte vor allem Pendler und Vielfahrer überzeugen. Wir haben die Version mit 15,6-Ah-Akku in unserem Redaktionsalltag ausprobiert.

Von Christoph Wisberg

 

In wenigen Minuten startklar
Unser Testfahrzeug erreichte den Presse-Testfuhrpark gut geschützt und weitgehend vormontiert. Wir mussten lediglich die Lenkerstange samt Lenker einsetzen und mit sechs beiliegenden Innensechskantschrauben befestigen. Die beiden dafür benötigten Schlüssel lagen im Paket – nach wenigen Minuten stand der Scooter startklar auf eigenen Rädern. Zusätzlich montierten wir das mitgelieferte EVERCROSS-Pack an der Lenkerstange. Die kleine Tasche bietet Platz für Smartphone, Schlüssel und Portemonnaie. Ebenfalls dabei ist ein leichtes Kabelschloss, das zumindest bei kurzen Zwischenstopps einen gewissen Grundschutz bietet. Mit der ersten Ausfahrt mussten wir uns allerdings noch etwas gedulden: Der Akku war bei der Anlieferung leer und musste zunächst vollständig geladen werden. Also hieß es erst einmal: Stecker rein statt Gas geben.

Das Geheimnis der sechs Klicks
Kaum ein E-Scooter kommt auf den Markt, ohne dass im Netz über geheime Tastenkombinationen diskutiert wird. Auch beim EV10S Max ABE hält sich das Gerücht, durch fünf- oder sechsmaliges Drücken der M- beziehungsweise Einschalttaste lasse sich die Geschwindigkeitsbegrenzung verändern.
Wir haben deshalb beim Hersteller nachgefragt. EVERCROSS bestätigte uns, dass die aktuelle deutsche ABE-Version keine entsprechende Funktion besitzt. Die in einigen Foren erwähnten Klickfolgen beziehen sich demnach nicht auf dieses Modell. Interessant ist dennoch, dass der Hersteller eine Ausführung ohne deutsche ABE und mit einer Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h anbietet. Beide Varianten verfügen laut EVERCROSS über einen 48-Volt-Antrieb mit 500 Watt Motorleistung. Der Unterschied dürfte somit vor allem in der Abstimmung von Controller und Software liegen. Unser Testfahrzeug blieb selbstverständlich im serienmäßigen Zustand. Das Geheimnis der sechs Klicks wäre damit ebenfalls gelüftet: Bei der aktuellen ABE-Version führen sie ins Leere.

Drei Modi für den Alltag
Über Bluetooth lässt sich der Roller mit der EVERCROSS PRO App verbinden. Sie zeigt die wichtigsten Fahrdaten an. Optisch bleibt die Anwendung nüchtern: kein digitales Feuerwerk, auch kein GPS oder echtes Fahrzeug-Tracking.
Eco begrenzt die Geschwindigkeit auf 10 km/h, Standard auf 15 km/h und Sport auf die zulässigen 20 km/h. Die Gasannahme ist angenehm weich abgestimmt. Im Eco-Modus geht es eher gemütlich voran, im Sport-Modus reagiert der Antrieb deutlich direkter – ohne den Fahrer beim ersten Daumendruck gleich auf eine Mutprobe zu schicken. Bei Vollgas auf ebener Strecke konnten wir laut Tacho 22 km/h erreichen.

Wenn der Untergrund ruppig wird
Der E-Scooter vermittelt ein stabiles und ausgewogenes Fahrgefühl. Seine 10-Zoll-Gelreifen sind deutlich unempfindlicher gegen Durchstiche als klassische Luftreifen. Für den Fahrkomfort sorgen vor allem die Telegabel vorne und zwei zusätzliche Stoßdämpfer am Hinterrad.
Auf Asphalt, Pflaster und leichten Schotterwegen funktioniert dieses Zusammenspiel ordentlich. Fugen und kleinere Unebenheiten verlieren einen großen Teil ihres Schreckens, wenngleich das Fahrwerk für unseren Geschmack etwas weicher abgestimmt sein dürfte. Bei tiefen Schlaglöchern gerät es an seine Grenzen – um die macht man ohnehin besser einen Bogen.

Blinken mit dem Daumen
Die beiden Blinker sitzen gut sichtbar in den Lenkerenden und lassen sich über den Schalter rechts oberhalb des Daumengashebels bequem bedienen. Der Daumen muss dafür keinen langen Dienstweg antreten. Auch der verstellbare Frontscheinwerfer erfüllt seine Aufgabe ordentlich und leuchtet die Fahrbahn ausreichend aus. Kein Flutlicht für die Nachtwanderung, für Stadt und Alltag aber vollkommen ausreichend.

Bremsen mit Fingerspitzengefühl
Das Modell kombiniert eine mechanische Trommelbremse mit elektronischem E-ABS und einer Hall-Bremse. Das System verzögert kräftig, greift nach unserem Eindruck am Vorderrad allerdings recht energisch zu. Der Bremshebel verlangt deshalb etwas Fingerspitzengefühl. Besonders auf nassem Asphalt sollte er mit Bedacht betätigt werden, damit das Vorderrad nicht unvermittelt an Haftung verliert. Hat man sich an die Abstimmung gewöhnt, kommt der Roller zuverlässig zum Stehen.

Warum wir den EVERCROSS mögen
Der EV10S Max ABE bietet ein stimmiges Gesamtpaket: Er fährt stabil, federt ordentlich und lässt sich unkompliziert bedienen. Auch die Reichweite unseres Testmodells mit 15,6-Ah-Akku geht angesichts des aktuellen Verkaufspreises von 459,99 Euro in Ordnung.
Noch interessanter finden wir allerdings die Version mit 27 Ah. Für aktuell 569,99 Euro statt 649,99 Euro bietet sie eine Akkukapazität, die in dieser Preisklasse nur selten zu finden ist. Schade, dass uns für den Praxis-Check lediglich die kleinere Variante zur Verfügung stand.
Das Fahrwerk dürfte etwas weicher und die Bremse feinfühliger abgestimmt sein, unterm Strich überwiegen für uns jedoch klar die positiven Eindrücke. Dieser E-Scooter ist kein Blender für die kurze Runde vor der Eisdiele, sondern ein komfortabler Alltagsarbeiter mit besonders ausdauernder Akkuoption – und damit eine echte Alternative für längere Pendlerstrecken.
(Preise laut EVERCROSS-Website zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.)

evercross.eu

Hinweis zu den Praxis-Checks auf Special-E.de
Die Auswahl der Produkte, die wir auf Special-E.de redaktionell vorstellen, treffen wir unabhängig und selbstbestimmt. Zu diesem Zweck stellen uns Hersteller Testmuster kostenfrei zur Verfügung oder laden unsere Redaktion zu Fahr- und Produktpräsentationen ein. Unsere Produktbesprechungen erfolgen auf redaktioneller Basis – objektiv, transparent und unbeeinflusst. Für Fragen oder weitere Informationen erreichen Sie uns unter redaktion@special-e.de.

 

Fotos: Hersteller

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