Praxis-Check: Evercross EK20

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Das Pedelec im Moped-Style

Das EK20 sieht auf den ersten Blick aus, als hätte jemand ein kleines Moped, ein Fatbike und ein Pedelec in einen Karton gepackt – und genau daraus seinen ganz eigenen urbanen Begleiter gebaut. Rechtlich bleibt es dabei sauber im Pedelec-Rahmen: 250 Watt, Unterstützung bis 25 km/h, breite 20-Zoll-Fat-Tires und ein großer herausnehmbarer 48-Volt-Akku. Wir haben das auffällige Direktvertriebs-Bike im Presse-Testfuhrpark und wollten wissen: Steckt hinter der breiten Show auch echtes Alltagstalent?

Von Christoph Wisberg

Das EK20 fällt auf. Nicht ein bisschen, sondern ziemlich deutlich und genau darin liegt ein Teil seines Reizes. Es passt in eine junge Klasse urbaner Elektro-Fatbikes, die nicht nur von A nach B bringen wollen, sondern dabei auch ein bisschen Show machen.

Eine neue Spezies auf breiten Reifen
In Deutschland sind solche Bikes noch kein alltäglicher Anblick. Man sieht sie inzwischen häufiger in größeren Städten oder auch bei Lieferdiensten, aber sie gehören noch nicht selbstverständlich zum Straßenbild. In den Niederlanden und Belgien ist diese Gattung schon länger unterwegs – vor allem bei Jugendlichen. Dort hat man offenbar früher verstanden, dass Mobilität manchmal nicht nur vernünftig, sondern auch ein bisschen lässig aussehen darf. Das EK20 bewegt sich irgendwo zwischen Fahrrad, Moped und E-Scooter.

Unser Testbike wurde vom Hersteller für den Presse-Testfuhrpark zur Verfügung gestellt. Preislich liegt es mit rund 1.000 bis 1.100 Euro – je nach Angebot – über den einfachen Online-Fatbikes, die teils schon unter 600 Euro zu finden sind. Die Frage ist also: Gibt es dafür nur mehr Auftritt, oder auch mehr Substanz?
Auf dem Papier bringt das Bike einiges mit: einen 250-Watt-Hinterrad-Nabenmotor mit Unterstützung bis 25 km/h, einen herausnehmbaren 48-Volt-Akku mit 15,6 Ah und rechnerisch 748,8 Wh Kapazität. Der Hersteller nennt 55 bis 100 Kilometer Reichweite, abhängig von Fahrergewicht, Strecke, Temperatur und Unterstützungsstufe. In unseren Testfahrten halten wir – je nach Fahrweise – mindestens 45 Kilometer für realistisch. Die Ladezeit liegt laut Hersteller bei etwa sieben bis acht Stunden, was sich auch ungefähr mit unseren Erfahrungen deckt.
Dazu kommen Shimano-7-Gang-Schaltung, mechanische Scheibenbremsen vorne und hinten, Federgabel, farbiges Multifunktionsdisplay, NFC-Entriegelung, Frontgepäckträger, großer Scheinwerfer und ein Rücklicht mit Bremslichtfunktion. Die maximale Zuladung wird mit bis zu 150 Kilogramm angegeben.

Karton auf, Werkzeug raus
Der Vertrieb läuft zur Zeit nicht über den klassischen Fachhandel in Deutschland. Die Bikes werden direkt an den Endverbraucher online verkauft. Das drückt den Preis, bedeutet aber auch: Der Käufer muss beim Aufbau selbst ran.
Hinter EVERCROSS steht eine international ausgerichtete E-Mobility-Marke mit China-Bezug, die sich auf elektrische Scooter, E-Bikes und Hoverboards spezialisiert hat. Nach eigenen Angaben beschäftigt sich das Unternehmen seit mehr als 20 Jahren mit elektrischer Mikromobilität und vertreibt seine Produkte unter anderem über eigene Online-Shops sowie EU-Lager.

 
Unser Testbike kam gut verpackt und ohne Transportschäden im Karton an. Also: Karton öffnen, Teile sortieren, Werkzeug raus – und erst einmal schauen, wie viel Fahrrad da eigentlich noch zusammengefügt werden will. Das notwendige Werkzeug lag bei, und wir konnten das EK20 damit vollständig aufbauen. Geholfen hat die umfangreiche Betriebsanleitung, die den Aufbau Schritt für Schritt erklärt und auch in deutscher Sprache vorliegt. Nicht jede Übersetzung ist perfekt, doch mit etwas Fantasie versteht man zuverlässig, was gemeint ist.
Unser Eindruck: Auch ungeübte Schrauber sollten das Bike mit Geduld und Anleitung in etwa ein bis zwei Stunden montiert bekommen. Bei Problemen verweist der Hersteller auf den Kundendienst Mail bzw, Chat. Gerade beim Direktvertrieb ist dieser Support wichtig – ein Fahrrad aus dem Karton ist schließlich kein Brötchen aus der Tüte.

Fahren wie Moped, treten wie Fahrrad
Im Fahrbetrieb zeigt das EK20 schnell seinen Charakter. Schon nach den ersten Metern ist klar: Das hier ist kein Bike für die große sportliche Langstrecke. Dafür sind Sitzposition, Bauart und Konzept zu sehr auf kurze bis mittlere Wege ausgelegt. Genau dort fühlt es sich wohl: in der Stadt oder für die schnelle Alltagsrunde. Die breiten Reifen sorgen für Komfort und Traktion auf Asphalt und Schotter.
Die Sitzposition erinnert eher an ein Moped als an ein klassisches Fahrrad. Man sitzt aufrecht, entspannt und eher „drauf“ als sportlich „im“ Rad. Uns hat das gut gefallen, weil es perfekt zum Auftritt passt. Dieses Bike will kein normales Pedelec sein – und gerade das macht seinen Charme aus.
Der Hinterrad-Nabenmotor ist ausreichend kräftig, schiebt also gut an, der Sensor reagiert früh, und wer in einem höheren Gang mit wenig Krafteinsatz fährt, kommt angenehm voran ohne zu treten. Sportlich ist das nicht, aber es macht Spaß – und genau darum geht es bei diesem Konzept.
Praktisch ist auch die Anfahrhilfe rechts neben dem Griff. Sie wirkt wie ein kleiner Gashebel im Moped-Stil und erleichtert das Losrollen an der Ampel oder beim Rangieren. Wichtig bleibt: Beim Pedelec ist das eine Anfahr- oder Schiebehilfe, kein dauerhafter Fahrantrieb ohne Treten.
Die Scheibenbremsen funktionierten in unserem Test einwandfrei. Lediglich die vordere Bremse mussten wir nach der ersten Probefahrt nachjustieren, damit sie kräftiger zugreift. Danach war die Bremswirkung für das Bike absolut ausreichend.
Auch zu zweit haben wir das EK20 ausprobiert. Das zusätzliche „Sitzbrötchen“ hinter der Sitzbank wird mit vier Schrauben befestigt und ist schnell montiert. Dazu kommen zwei ausklappbare Fußrasten für den Beifahrer – ganz im Moped-Stil. Das macht das Bike im Alltag vielseitiger.

Kleine Dinge, große Wirkung
Zur Serienausstattung gehört der vordere Gepäckträger. Befestigungsgurte muss man selbst besorgen, passende Lösungen gibt es aber günstig im Zubehörhandel. Für Tasche, Rucksack oder kleines Gepäck ist der Frontträger eine praktische Ergänzung.
Das farbige Digitaldisplay zeigt die wichtigsten Informationen wie Geschwindigkeit, Akkustand, Strecke und Unterstützungsstufe. Die App-Anbindung gehört beim EK20 zur Ausstattung, bleibt aber eher funktional als luxuriös. Per Bluetooth lassen sich zentrale Fahrdaten wie Geschwindigkeit, Akkustand, Kilometerstand, Fahrzeit und Unterstützungsstufe abrufen. Wer seine Fahrten gerne am Smartphone im Blick behält, bekommt hier einen praktischen Zusatznutzen. Die wichtigsten Informationen liefert allerdings auch das Display am Lenker.
Auch die Lichtanlage überzeugt im Alltag: Der große Frontscheinwerfer leuchtet den Weg gut aus, das Rücklicht besitzt eine Bremslichtfunktion und reagiert sowohl auf Vorder- als auch Hinterradbremse. Gerade im Stadtverkehr ist das ein sinnvolles Detail.

Unser Eindruck: Das EK20 ist kein Vernunftrad, sondern ein Statement auf breiten Reifen. Wer ein leichtes, klassisches Fahrrad sucht, wird hier nicht glücklich. Wer aber ein kompaktes, kräftig auftretendes Pedelec mit Spaßfaktor sucht, sollte sich diese Klasse genauer ansehen. Für die große Alpenüberquerung oder sportliche Kilometerjagd ist das EK20 nicht gemacht. Es ist eher ein lässiger Kurzstreckenbegleiter mit Moped-Feeling.
Gerade deshalb vergeben wir für das Evercross EK20 eine special-e.de Kauftipp-Empfehlung. In dieser Fahrzeugklasse bietet das Bike nach unserem Eindruck ein starkes Preis-Leistungs-Verhältnis – vor allem im Vergleich zu ähnlich aufgebauten Elektro-Fatbikes, die ebenfalls im Direktvertrieb angeboten werden.
Wer sich für das Evercross EK20 interessiert, kann das Modell direkt über die offizielle Evercross-Website oder alternativ über den Amazon-Shop des Herstellers bestellen. Damit bleibt der Kauf unkompliziert und wahlweise über den Direktvertrieb oder über Amazon möglich.

Offizielle Website: evercross.eu
Amazon

Fotos: Hersteller

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